Reisebericht

Ägypten       18. Februar - 01. April 2017

 Von  13`629 km  bis  14`527 km    total 898 km

Als Fahrrad, Anhänger und alle Radtaschen gepackt waren, fuhr ich am Abend zum Vorabendcheck-in. Dadurch musste ich am Morgen nur noch Dimitri einchecken und dann möglichst rasch durch die Sicherheitskontrolle. Pünktlich hob der Flieger ab und landete viereinhalb Stunden später ebenso pünktlich im Hurghada Airport. Nach etwas über einer Stunde und 20 Euro leichter hatte ich alle Gepäckstücke inclusive Dimitri durch den Zoll und in einer ruhigen Ecke. Hier konnte ich dann in Ruhe mein Fahrrad und den Anhänger wieder zusammen bauen und musste nur hie und da etwas übereifrige Hände abwehren, die mit aller Gewalt und mit wenig Sachverstand, Pedale einschrauben, Schrauben verlegen und vermurcksen wollten. Daneben galt es noch ein Auge auf das übrige Gepäck zu haben und da tat mein Dimitri natürlich sein bestes – kaum einer traute sich in die Nähe des Hundes.

 

 

Während den ersten beiden Tage in Aegypten habe ich die Ruhe genossen. Der Stress vor dem Abflug hat mir doch etwas zugesetzt und ich schlief in der ersten Nacht 13 Stunden durch. Nach der kurzen Eingewöhnung besuchte ich schon bald mal den Fischmarkt im alten Hafen. Ich kannte diesen Ort von einem früheren Besuch in Hurghada. Die Nase wurde zwar etwas strapaziert und das Auge wurde durch den vielen Abfall auch nicht sehr erfreut. Die Atmosphäre und die vielen Möwen und Reiher belohnten mich aber vollkommen. Die folgenden Bilder zeigen den Markt und die dahinter liegende grosse Mosche.

 

 

 




 

Die Gewöhnung an die Wärme und Atmosphäre in Afrika wurde mir durch einen Wurzelabszess, einhergehend mit heftigen Zahnschmerzen, nicht leicht gemacht. Nach einigen Tagen mit Antibiotika und Schmerzmitteln, wurde es nicht besser und ich entschloss mich einen Zahnarzt zu suchen. Als ich im Bluemoon Animalcenter die Transportbox von Dimitri abgab, erfuhr ich dort von einer Mitarbeiterin die Adresse einer Zahnärztin. Der Zahn wurde behandelt und eine anschliessende Antibiotikakur verordnet – in Luxor oder Kairo könne ich dann die vollständige Wurzelbehandlung machen lassen, meinte die Zahnärztin Da ich die Zeit der Behandlung schwer abschätzen konnte, radelte ich nach Luxor und durch- und überquerte dabei das Rotemeer-Gebirge und die Oestliche Wüste von Aegypten. Ein Camp in der Wüste, eines in einer Polizeistation und schon war ich nach drei Tagen in Qena im Niltal.

 


 

Bis nach Luxor musste ich einen weiteren Tag mit Polizeiescorte radeln. Dabei konnte ich auch nach einigen Kilometern, ich hatte schon lange Qena verlassen, einen ersten Blick auf den Nil erhaschen. Als ich dann die Grossstadt Luxor erreichte, bot sich mir ein schönes Bild über den wirklich blauen Nil auf die Westbank.

 

 

 

 

In der Grossstadt Luxor kümmerte sich dann die Polizei nicht mehr um mich und ich konnte wieder mal tun und lassen wie ich wollte. Mein kleines „Hotel“ war auf der Westbank und bot mir einen schönen Blick über die Felder und auf die Stadt mit ihren Tempelanlagen. Hier „lebte“ ich inmitten der ländlichen Bevölkerung und erlebte dadurch ihre Mühsal und Ernsthaftigkeit hautnah. Ein lehrreicher Einblick ins ländliche Leben entlang dem Nil. Auf dem Weg über die grosse Brücke auf die Westbank traf ich Moni und Robi (www.velocos.ch) zwei Reiseradler aus der Schweiz. Die beiden sind seit 2004 unterwegs und nun auf ihrem Heimweg von Südafrika in die Schweiz.

 


 

Mit der schön verzierten Fähre setzte ich dann ans Ostufer über und wurde mitten ins hecktische Stadtleben „geschleudert“ wo jeder ein kleines Geschäft wittert und wahrnimmt.

 


 

Im Ramses II Tempel wurde ich von der kolossalen Grösse der Säulen und Statuen überrascht. Herrliche Reliefs und Schrifttafeln zeugten von der hochstehenden, alten ägyptischen Kultur.

 

 

 



 

Blickt man vom Luxor Tempel nach Westen sieht man einen Hügelzug in dem und um den herum die Königinnen, Könige und Noblen ihre Grabstätten haben. Davor wachen die Kolosse von Memnon und dahinter die Tempelanlage von Königin Hadschepsut. Die Westbank habe ich mit de Fahrrad zusammen mit Moni und Robi besucht Mit den beiden weiteren Ramsesstatuen und dem Blick über die Gärten der Westbank nehmen wir Abschied von Luxor und radeln frohen Mutes südlich in Richtung Assuan.

 



 

Da ich der Polizeiescorte entgehen wollte, fuhr ich auf der linken Seite des Nils nach Assuan obwohl ich wusste, dass die Hauptstrasse rechts verläuft. Aber schon beim ersten Polizeiposten musste ich warten und dann, mit Escorte, auf die andere Seite wechseln. Es sich also nichts geändert und ich konnte die Polizei nicht austricksen. Manchmal hat es ja auch gute Seiten, da sie die vielen aufdringlichen Kinder vom Radler fernhalten und ganz aufdringliche sogar verfolgen und am Abend musste ich nicht lange ein Nachtlager suchen, da ich auf oder bei dem Posten schlafen konnte. Das Nachtlager auf dem Dach war, obwohl den Mücken und dem vorbeidonnernden Schnellzug ausgesetzt, angenehm kühl und ich konnten meinen 12 Stunden Schlaf problemlos durchziehen. Die Hauptstrasse verlief, meist durch Palmenhaine getrennt, dem Nilufer entlang. Je mehr wir uns Assuan näherten, desto mehr Kamele sah man auf Lastwagen und beim arbeiten im Felde. Zur Linken, standen nur noch einige Häuser mit wenig Grün. Dann folgte ein unmittelbarer Uebergang zur Wüste aus Stein und Sand. Der Morgen des zweiten Tages war, bei leichter Bewölkung, angenehm zu fahren. Aber kurz nach der Mittagszeit kam ein immer heftiger blasender Wind aus nordwestlicher Richtung auf. Die Sonne verschwand immer mehr in diesem Sandsturm und als mich nach etwas über 60km die Polizei fragte, ob ich nicht aufladen wolle, willigte ich ein und wurde danach noch ca 40km nach Assuan chauffiert. Dies war auch ein guter Entscheid da die relativ grosse Stadt Kawn Ombo sehr schmutzig war und unheimlich viel Verkehr hatte – total ungemütlich zum radeln.

 


 

n Assuan ist für die grossen Flusskreuzfahrtschiffe Endstation. Der Nil fliesst hier malerisch um verschiedene kleine Inseln herum auf denen sich Hotels und der Botanische Garten zu finden sind. Der Rest der Stadt sieht nicht sehr einladend aus. Da ich aber wieder auf der Westseite einquartiert war, hab ich wieder das „Dorfleben“ geniessen dürfen, zudem hatte ich einen schönen Blick auf die Grabanlagen der Noblen und das Möwenpick Hotel welches auf einer der Inseln gebaut wurde und wohl einem Schiff nachgebildet wurde.

 

 

Hinter dem alten Assuandamm hat sich ein See gebildet mit vielen gösseren und kleineren Inseln. Auf einer davon hat man, die nach dem Dammbau versunkene Tempelanlage der Liebesgöttin Isis, wieder aufgebaut.

 

 

 



 

Nach dem Abschied von der Köchin und Gastgeberin des Hauses wurde es Zeit wieder aufzubrechen. Ich startete also auf der alten und steilen Strasse von der Westbank aus um zur westlichen Wüstenstrasse zu gelangen. Eigentlich wusste ich, dass ich auf den ersten 20 km kaum eine Polizeiescorte zu sehen bekam. Am ersten Posten dann staunte ich nicht schlecht als die mich einfach durchwinkten. So kam es, dass ich die erste Nacht hinter einer Sanddüne völlig ungestört verbringen konnte. Ach die nächsten 109 km wurde ich nur ab und zu durch die Polizei kontrolliert. Gut den neuen Rekord hatte ich, 16:00 war auch vorbei aber so noch eine Stunde mit 10 – 15km radeln lag schon noch drinn.

 


 

Aber: bei besagtem km 109 kam ein Posten und ich sah von weitem wie 10 – 15 Polizisten auf die Strasse zuliefen und mich aufhielten. Ich durfte nicht mehr weiterfahren und musste mal wieder alles aufladen und mich zum nächsten Posten chauffieren lassen. Den Grund sah ich schon bald; ein ausgebranntes Skelett von einem Reisebus stand als Mahnmal am Strassenrand und erinnerte dadurch an den Ueberfall auf einen Reisebus durch Terroristen. Bei diesem Ueberfall kam eine Touristin ums Leben. Nun aber etwas erfreulicheres über die wunderbar einsamen fast 200 km die ich geniessen durfte. Ich sah immer wieder wunderschöne Fata Morganas und konnte diese sogar fotografieren. Auch die Vogelwelt zeigte sich immer wieder und auch in der Eintönigkeit der Wüste gibt es interessante Kleinbiotope, wie zum Beispiel die Kadaver der Kühe,Pferde und Kamele die hier einfach an den Strassenrand entsorgt werden. Hier versammeln sich ganze Gruppen von Stelzen, Lerchen und Wiedehopfe oft sitzen diese in den schattengebenden leeren Körperhöhlen und hier finden sie sicher auch manch fette Made. Guter Stärkung für die Weiterreise. Nach dem Erwachen auf dem Polizeiposten in der Wüste musste ich etwa zwei Stunden warten bis endlich einer mit drei Sternen da war und telefonisch von einem noch höheren Grad das Gut zur Weiterreise für diesen doofen Radler bekam. Unterwegs, wieder mit strammem Rückenwind fuhr ich auch durch Versuchsgelände zur Fruchtbarmachung der Wüste – das satte grün war eine Erholung fürs Auge und eine Abwechslung von Stein und Sand. Die Berge in der Sandwüste sehen auch aus wie Pyramiden und ich kann mir diese gut als „Vorbilder“ für die richtigen Pyramiden vorstellen. Schon am frühen Nachmittag traf ich dann in Abu Simbel ein und fuhr unbewusst direkt zum Hotel.

 




 

Während meinem Aufenthalt in Abu Simbel (ich musste ja immer noch aufs Visum warten) erkundigte ich die Umgebung und die dislozierten Tempelanlagen. Beide Tempel werden nur von wenige Leuten besucht, obwohl diese zu den schöneren Anlagen zu zählen sind.

 

 

 


 

Während dieser Zeit feierte ich ja noch meinen 68. Geburtstag und dabei genehmigte ich mir ein feines Nachtessen

 im Luxushotel mit einer Flasche Rotwein


und als ich ins Hotel zurückkehrte gab es eine richtig kleine Geburtstagsfeier mit lautem aber nicht so reinem „Happy Birthdaygesang“. Der Höhepunkt war die Nubische Geburtstagstorte, eine Früchtetorte weiss Gott wo die drei Männer diese aufgetrieben hatten.


 

Am Abend des zweitletzten Tages in Abu Simbel traf ich noch Katharina und Dominik einen Ingenieur aus Deutschland welche nach Uganda in ein Entwicklungsprojekt fahren werden. Ihnen angeschlossen hat sich ein Freund aus Holland der aber mit seinem Landcruiser nach Südafrika fahren möchte. Wir vier beschlossen den letzten Abend noch einmal in besagtem Hotel zu essen und einen Wein zu kredenzen. Zum Glück liebten die anderen Drei einen Weissen, da es von beiden nur je eine Flasche hatte. Früh am nächsten Morgen trafen wir uns bei der Fähre und wir überquerten danach den Nassersee. Auf der anderen Seite musste ich dann noch 55km durch die Wüste bis zu Zollstation radeln. Die Ausreise und Einreise dauerte bei mir, zusammen mit Dimitri, geschlagene drei Stunden. Dimi hat jetzt aber ein Zeugnis mit dem er jedes Hotel betreten darf. Dimitri kostete das dreifache von mir und schlug mit 235 Sudanesischen Pfund zu buche – plus ca 1,5 Stunden Untersuch und Formulare ausfüllen. Da die drei Reisenden mit ihren Autos aber auch Stunden brauchten, trafen wir uns noch einmal in Wadi Halfa.