Reisebericht

Bulgarien   2           11.Aug. - 09.Sept. 2016

 von  11`369 km – 12`158 km     total 789 km

 

 

 

Nach etwas mehr als einem Monat war ich nun zum zweiten mal in Bulgarien. Ich hatte ein mulmiges Gefühl und befürchtete, dass es wieder so ungemütlich werden könnte wie im Nordwesten des Landes. Dass dem nicht so war, entdeckte ich schon nach wenigen Tagen. Nach der Grenze fand ich etwas abseits der Strasse bald einen schönen, an ein Naturschutzgebiet angrenzenden Campingplatz. Dieses Gebiet ist einer der wichtigsten Ueberwinterungsplätze der Rothalsgans und auch im Sommer ein von Ornithologen gerne besuchtes Gebiet.

 


 

Nach zwei Tagen Rast, radelte ich der Küste entlang nach Varna, dabei fuhr ich entlang der berühmte Thrakischen Cliffs mit dem, so sagten mir eingefleischte Golfer, schönsten und schwersten Golfplatz der Welt. In Varna schlug ich mein Zelt auf dem Campingplatz in Golden Sand auf. Der Platz war steinig und ungemütlich, so dass ich mich unweit davon in ein B&B einmietete. Auf diesem Zeltplatz fand ich aber den ersten richtigen Skarabäus, welcher etwa so gross war wie mein Maskotchen am Fahrrad.

 



 

Nach einigen Tagen, die ich mit Nachtragen vom Blog und Chillen am Strand verbrachte, machte ich mich wieder auf den Weg. Da zu dieser Zeit ein Putschversuch in der Türkei stattfand, entschloss ich mich quer durch Bulgarien nach Griechenland zu fahren. In Varna versuchte ich auch noch, tagelang übers Internet, eine Möglichkeit zur Ueberquerung des östlichen Mittelmeeres zu finden. Von der Türkei aus fand ich leider keine Fährverbindung und die angeschriebenen Frachtschiffredereien weigerten sich einen Hund mit an Bord zu nehmen. Da auch durch den Suezkanal kaum mehr Segeljachten fuhren, kam auch die weitere Suche nach einer möglichen Fahrt mit einer Yacht nicht mehr in Frage. Diese Möglichkeit, wurde mir eigentlich schon in Constanzas Rotary-Segelclub ausgeredet. Ich radelte nun nach Varna und von dort an quer durch Bulgarien.


 

Einen ersten Halt machte ich im versteinerten Wald. Dieses Naturwunder sieht aber nur aus wie ein Wald versteinerter Bäume. Es existieren verschiedene Theorien wie diese Skulpturen entstanden sein sollen. Ich verweilte an diesem „Kraftort“ einige Zeit und entschloss mich anschliessend, unweit davon zu übernachten.

 

 

 


 

Die folgenden beiden Tagen radelte ich gemütlich durch eine sanfte, hügelige Landschaft entlang der Autobahn Varna – Sofia. Ich befand mich aber meistens weit genug weg von dieser Hauptverkehrsachse um nicht von ihrem Verkehrslärm gestört zu werden. Zu dieser Zeit war die Ernte der Sonnenblumen voll im Gange. Nach zwei weiteren Tagen erreichte ich das Balkangebirge, wo ich in einem schönen Hotel übernachten konnte. Das Balkangebirge ist die nördliche der beiden Gebirgsketten die sich quer von West nach Ost durch Bulgarien ziehen.

 

 

 


 

Durch eine flach ansteigende Schlucht fuhr ich dann in dieses Gebirge rein. Es war eine wunderschöne sanft gewellte Gegend mit  einem ständigen auf und ab. Entlang der Strasse weideten Esel, Pferde, Rinder, Schafe und Ziegen. Diese Tiere waren entweder „gepflockt“, das heisst an langen Ketten angebunden oder sie wurden von Hirten betreut. Einige der Hirten hatten auch Hütehunde dabei und dies hatten oft kleinere Techtelmechtel mit meinem vierbeinigen Begleiter Dimitri zur Folge. Am zweiten Tag, nach einer Uebernachtung abseits der Strasse mit wunderbarem Rundumblick, querte ich zuerst einen etwas höheren Pass und durfte anschliessend die Abfahrt in die Ebene zwischen den beiden Gebirsketten geniessen. Die Gegend hier ist schon deutlich muslimisch geprägt und man sah hie und da in den Dörfern kleine Moscheen. An die kommunistische Zeit wurde man von den Heldendenkmäler erinnert und als Zeugen des modernen, motorisierten Zeitalters fungierten die überfahrenen Hunde, Schakale und andere Wildtiere.

 

 

 


 

In der Ebene zwischen den beiden bulgarischen Gebirge, machte ich den ersten Halt in einem schönen Hotel in der etwas grösseren Stadt Sliven. Von hier aus radelte ich dann ohne grosses auf und ab nach Plowdiw, der Stadt kurz vor den Ausläufern des Rhodopegebirges. Am Stadtrand von Sliven sah ich einen Baumarkt mit einigen wenigen Autos davor und mit einem dieser genialen Pferdegespanne mit den zweiachsigen Karren. Auch der stand auf dem Parkplatz und wartete auf seine Ladung. Nie sieht man diese Gespanne in Schritt gehen, nein die kleinen, drahtigen Pferdchen sind ständig im Trab oder Galopp unterwegs.

 


 

Am Stadtrand von Plowdiw erregte wieder mal eine neuere, glänzende Kirche (orthodox) meine Aufmerksamkeit und kurz danach fing die Strasse an sanft zu steigen – zuerst nur wenig und mit flachen Abschnitten dazwischen und dann auf den letzten Kilometern immer steiler. Nach einem harten Tag mit vielen Pausen war ich endlich auf der Hochebene und am See von Batak. Unterwegs habe ich erfahren, dass im Ort Tsigov Chark ein Campingplatz sei und so war es für mich klar, dass ich dort übernachten werde. Der Platz lag sehr idyllisch direkt am See und war an diesen Tagen auch Treffpunkt eines Wettbewerbs für Autostopper. Dadurch waren etwa 150 junge Leute anwesend, vorwiegend aus Deutschland. Eine aufgeweckte Gruppe, darunter auch zwei jungen Frauen aus Zürich. Es war schön wieder mal deutsch sprechen zu können.

 

 

 


 

Nach einem Ruhetag, nahm ich den nächsten Abschnitt des Rhodopegebirges in Angriff. Die Tannenwälder und Alpweiden erinnerten mich sehr an die Landschaft im Jura. Die Strasse führte auch an weiteren Stauseen vorbei und der grösste davon war beim Sttädtchen Dospat. Mit seinen steilen Ufern und den geheimnissvollen Nebelschwaden an den steilen Ufern sah es aus wie eine norwegische Fjordlandschaft. Dieser Eindruck wurde durch die Fischzuchtanlagen, die sich mitten im See ausbreiteten noch verstärkt.

Am Südhang dieses Gebirgszuges gegen die griechische Grenze, traf man immer wieder auf nette und adrette Dörfer wo inmitten der Häuser eine Moschee stand.

 

 

 


 

Schon bald radelte ich durch ein Tal wo auf beiden Strassenseiten Steine für den Gartenbau abgebaut wurden. Hier war noch Handarbeit angesagt und nach getaner Arbeit standen hunderte von Paletten am Strassenrand bereit um abtransportiert zu werden. Bald wagte ich mal einen Blick in Richtung Süden und ich wusste, dass hinter dem Horizont sich Griechenland versteckte. Obwohl Griechenland so nahe war, dauerte es wegen meiner am Bataksee eingefangene Magen-Darmgeschichte noch einige Tage bis ich an der Grenze stand. Ich verbrachte deswegen noch einige Tage in Goze Deltschew um mich zu erholen.

 

 

 

 

Als ich mich wieder besser fühlte, radelte ich weiter und erreichte bald bald mal die Grenze. Noch durch den Tunnel und auf der anderen Seite grüsste Griechenland.