Reiseberichte

Deutschland       19. September - 14. Oktober 2015

von     6 243 km  -  7 370 km             total     1 127 km

An diesem Sonntag bin ich ja früh aufgestanden, da ich ungefähr um die Mittagszeit in Bad Schandau, dem erste grösseren Ort nach der tschechischen Grenze, sein wollte. Hierher kam mir meine jüngste Tochter, die zu dieser Zeit in Dresden wohnte, auf ihren Fahrrad entgegen, um mich nach Dresden zu begleiten. 


Nach dem Zusammentreffen genehmigten wir uns zuerst ein feines heimisches Menü und nahmen dann die 60 km nach Dresden unter die Räder. Leider mussten wir auf dieser Strecke einige Gewitterstürme über uns ergehen lassen. In Pirna trafen wir dann Astrid und Annina (mit Emmilein), die zwischenzeitlich die „Sächsische Schweiz“ besucht hatten, damit sie Dimitri mit nach Dresden nehmen konnten. Anschliessend ging es flott nach Dresden, wo wir, nach einem verschwitzten und verregneten „Rennen“, eine warme Dusche redlich verdient hatten.


In der Stadt des Goldenen Reiters blieb ich vier Tage, während denen ich mein Fahrrad (Bremsbeläge) und die Anhängerkupplung reparieren liess. Ich nutzte die Zeit, um die Stadt zu besichtigen und an zwei Rotary Meetings teil zu nehmen.


Als ich wieder aus Dresden weg fuhr, unternahm ich noch einen Versuch, um schnell Tea, die Fahrradbekanntschaft aus Litauen, sehen zu können. Tea war gerade am Staatstheater mit den Proben von „Nathan der Weise“ beschäftigt. Leider hab ich sie im Proberaum nicht gefunden und da ich ihre Arbeit auch nicht weiter stören wollte, fuhr ich aus der Stadt raus durch das nicht so verkehrsreiche Freital nach Freiberg. Zwischen den Städtchen Tharandt und Freiberg fuhr ich durch einen grossen, pilzreichen Wald. Hier traf ich auf viele Dresdener, die am Pilze sammeln waren und im Nu mit einem gefüllten Korb Pilze (v.a. Steinpilze) wieder aus dem Unterholz auftauchten. Dieser leuchtende Fliegenpilz überstand die Sammelleidenschaft der ostdeutschen Pilzliebhaber.

Nach der Übernachtung in Oberschöna fuhr ich meist auf Nebenwegen nach Chemnitz. Es ist eine leicht wellige Hügellandschaft, aber wenn man den Flüssen und Bächen nachfährt, kann man die manchmal heftigen Anstiege zwischen den Tälern vermeiden.


Ich verweilte nur kurz in Chemnitz und fuhr dann weiter nach Osten am berühmten Sachsenring vorbei an den Stausee Oberwald, wo ich wieder einmal das Zelt aufschlug. Hier erlebte ich eine ungemütliche Überraschung: Nach der letzten Zeltübernachtung (in Tschechien) packte ich nun ein arg stinkendes Zelt aus. Ich habe damals leider nicht bemerkt, dass ich zwei grosse rote Wegschnecken mit dem Zelt eingepackt habe und da ich das Zelt auch in Dresden nie auspackte, jetzt diese stinkende Überraschung erleben durfte. Die beiden an meinem Innenzelt klebenden Schneckenleichen waren zwar schnell entfernt, ihr Duft schwebte aber noch einige Tage durch den Zeltinnenraum. Vom Stausee Oberwald fuhr ich am nächsten Tag nach Waldenburg, das bald im Morgennebel vor mir auftauchte.


Weiter ging es quer durch dieses schöne Landschaft mit gepflegten, frisch renovierten Bauernhäuser.


Auch das Städtchen Schmölln zeigt sich von seiner besten Seite und auf der Weiterfahrt nach Gera durfte ich noch einige Kilometer durch das fast autofreie Gesenbachtal fahren. In diesem Tal zeigte man in einem tollen Freilichtmuseum viele hundert Obstsorten und alte Anbaumethoden. Als krönenden Abschluss leistete ich mir ein Zimmer in der idyllischen „Pension am Gessenbach“ in Collis.



Am Morgen strampelte ich dann ruhig nach Gera und von da der Weissen Elster entlang bis zum Mühltalradweg, einem fast autofreien Teil des wunderbaren Radweges der Thüringer Städtekette.


Das Mühltal und seine Fortsetzung nach Jena bildet eine wunderbare Naturoase mit unzähligen Mühlen, die zu Brotzeiten und Jause einladen.


Die Stadt Jena hat nichts Besonderes zu bieten und so war ich recht schnell wieder auf dem Radweg nach Weimar. Auch dieser Abschnitt stand dem Weg nach Jena in nichts nach. Es war einfach herrlich zu fahren und zudem war mir das Wetterglück hold und es schien immer wieder mal die Sonne. Schon bald war ich „Im kleinen Gütchen“, einem kleinen Campingplatz in Tiefurt bei Weimar, wo ich dann Quartier beziehen konnte.

Die nächsten beiden Tage verbrachte ich nun in Weimar. Ich schaute mir die Stadt gründlich an und besuchte die beiden Rotary Clubs. Hier ein paar Impressionen dieser schönen Kleinstadt und deren beiden wichtigsten Einwohner (Goethe und Schiller).


Am nächsten Tag fuhr ich bei schönstem Herbstwetter durch Weimars Vorstädte nach Erfurt. Die Fahrt war geprägt von wunderbaren herbstlichen Farben und den herrlich ausgebauten Radwegen der Thüringer Städtekette.


Erfurt ist eine etwas grössere Stadt mit regem Geschäftsleben und ansprechenden Gebäuden. Enge Gassen, und stattliche Riegelhäuser wechseln sich ab mit grosszügigen Plätzen und Bürgerhäusern. 



Da ich in den frühen Nachmittagsstunden hier ankam, beschloss ich nach einer kurzen „Stadtrundfahrt zu Fuss und mit dem Fahrrad noch etwas weiter zu fahren. Ich kam noch an lustigen Häusern mit Türen für Zwerge und an einem wunderschönen Töpferladen der Möbisburger Töpfermühle vorbei.


Immer der Gera entlang kam ich am Abend gegen Arnstadt, meinem heutigen Ziel. Die letzten paar Kilometer wurde ich von drei netten Hundefreunden, die ihre Hunde mit dem Fahrrad ausführten, begleitet. In einer kleinen Pension fand ich eine nette Unterkunft. 

Am nächsten Morgen radelte ich durch ein weites Tal mit steilen Abhängen weiter der Gera entlang nach Plaue am Rande des Thüringer Waldes.


Im herbstlichen Thüringer Wald konnte man ganze Körbe mit Steinpilzen, Reitzkern, Krause Glucken und anderen wertvollen Speisepilzen füllen. Ein kleines Pilzparadies. Ein paar Steigungen, auf meist unbefestigten Strassen, und schon bald radelte ich durchs Städtchen Ilmenau.


Von Ilmenau stieg die Strasse nun stetig, aber gleichmässig an, bis ich beinahe den höchsten Punkt in Grossbreitenbach erreichte. Der  gleichmässige Anstieg kam daher, dass der Radweg auf dem alten Trasse einer stillgelegten Bahn angelegt war. Gegen Abend war ich dann endlich auf dem schönen, ganzjährig geöffneten Camping von Grossbreitenbach angelangt. Auf diesem Campingplatz spürte man noch die Atmosphäre der Ferienkolonien aus der alten DDR. Viele Camper kommen seit Jahren (seit Kindsbeinen) auf diesen Platz und geniessen hier ihren Urlaub. Am nächsten Morgen musste ich nur noch einige wenige Kilometer durch prachtvolle Wälder in hebstlichen Farben bewältigen.


Herrlicher Sonnenschein und eine aufgestellte Psyche machten das Radeln leicht und auf der Passhöhe bei Neustadt am Rennsteig kehrte ich noch in einer Gaststube ein, um die fast vergessene, echte Thüringer Bratwurst zu degustieren. Beschwingt durch die gute Laune und das tolle Gefälle der Strasse, ging es in zügiger Fahrt über die ehemalige Zonengrenze nach dem Freistaat Bayern und somit in die Stadt Coburg.

Die Stadt erreichte ich während dem schönsten Sonnenuntergang. Um ins Zentrum zu gelangen, musste ich auf dem Fahrradweg um die ganze Stadt herumfahren. Es war schon dunkel, als ich endlich in einem netten Gasthof ein Zimmer fand. Am anderen Morgen hab ich mich dann noch verfahren. Ich hatte ein schlechtes Gefühl und hab eine Radfahrerin gefragt wo es lang gehen würde – sie wusste es nicht genau und plötzlich stand ein anderer Radler neben uns und anerbot sich, mich auf den Itz-Radweg zu begleiten. Danke. Nach einer gemütlichen Fahrt durch das Tal der Itz, mit kleinen, aber hübschen Dörfchen, kam ich schon bald im Tal des Flusses Main an. 


Als ich am späten Nachmittag in der wirklich einmaligen Stadt Bamberg ankam, herrschte dort ein unbeschreibliches Gedränge, da gerade ein riesengrosser Flohmarkt stattfand und zudem ein paar grosse Flusskreuzfahrtschiffe angelegt hatten. Ich schaute dem Markttreiben eine zeitlang zu, genoss ein Bier und fuhr dann die ca 10 km weiter zum Campingplatz von Bamberg. Nachdem das Zelt stand, ging ich ins Restaurant gemütlich essen und machte noch eine nette Bekanntschaft. Am anderen Morgen, es regnete leicht, entschloss ich mich nochmal in die Stadt zu fahren, um diese auch gebührlich anzuschauen. Bamberg hat die grösste unversehrte Altstadt von Deutschland. Es ist eine Universitätsstadt und Sitz des Erzbischofs. 


Leider hat es immer leicht geregnet und als ich gegen Mittag wieder zum Campingplatz fuhr, begann ein richtiger Landregen, der bis am Abend anhielt. Den ganzen Tag fuhr ich also im Regen auf dem Damm des Main-Donau Kanals entlang bis Fürth. Die Anstrengung war moderat aber es war richtig unangenehm bei diesem Wetter zu radeln. Nach der Grenze Fürth-Nürnberg nahm ich das erst beste Hotel und nach einer feinen Dusche war ich auch schon bald unter der Decke. Am nächsten Morgen musste ich das Hotel wieder verlassen, da es ausgebucht war – aber ich fand rasch ein anderes in der Innenstadt. Ich sah mich etwas in Nürnberg um und genoss den schönen Tag zu Fuss.



Am Abend entschloss ich mich noch den RC Nürnberg Sigena zu besuchen. Es war ein herrliches Erlebnis! Das Meeting fand nämlich in einer Galerie statt, wo die Werke von jungen Künstlern ausgestellt wurden. Werke die von den Kunstsachverständigen des Clubs gekauft wurden und jetzt dem Rest der Clubmitglieder vorgestellt wurden. Die jungen Kunstakademieabgänger waren natürlich auch anwesend und erklärten uns ihre Werke. Ein lustvoller Abend mit einer feinen Suppe, viel Kunst und einem fröhlichen Ausklang.


Ab Nürnberg kam die Schweiz ja immer näher und so machte ich mich am nächsten Tag daran, das Labyrinth von Nürnberg in südöstliche Richtung zu verlassen. Am Abend erreichte ich Ansbach und mit der Ankunft in der Stadt fing es heftig an zu regnen. Klatschnass fand ich ein Quartier. Auf dem Weg nach Ansbach fuhr ich an einer grossen USA-Garnison vorbei und da wurde mir zum ersten Mal bewusst, dass Deutschland ja noch ein besetztes Land ist. Am folgenden Tag besuchte ich den Mittagslunch vom RC Ansbach und nach dem Lunch begleitete mich Hans mit seinem Fahrrad noch etwa 20 km weit. Es war ein erfreuliches Treffen mit einem guten Gespräch und nicht zu vergessen, gute Angaben für die folgende Strecke. Danke Hans!


Noch einige kleine Steigungen und schon bald war ich im Städtchen Feuchtwangen, wo ich im Gasthof Lamm eine sehr schöne Bleibe fand.

Nach einem gemütlichen Frühstück radelte ich weiter und genoss eine herrliche Fahrt im Sonnenschein und mit einer ausserordentlich farbenprächtigen Natur bis ins Städtchen Dinkelsbühl, welches mit seinem Stadtbild und seinem Blumenschmuck zu einem Halte einlud. Es war nun endgültig Herbst.


Nach einer in herrlichem Sonnenschein genossenen Mahlzeit ging es weiter Richtung Ellwangen. Dabei überquerte ich wieder einmal eine Grenze, nämlich die europäische Wasserscheide zwischen Donau und Rhein und nur wenig später sah man über die Baumwipfel die Wallfahrtskirche Schönenberg. Ein wahrlich imposanter Bau kurz vor dem nächsten Uebernachtungsort Ellwangen.


Nach der Uebernachtung auf dem Campingplatz zog es mich weiter, über Ahlen und dann ein Stück auf dem Limes-Radweg nach Schwäbisch Gmünd. Dann folgte der Aufstieg über die Staufenberge vom Tal der Rems ins Tal der Fils bei Göppingen. Mein Ziel war das Heim meiner ehemaligen Kommilitonin Andrea in Eisslingen.


Die paar Kilometer zwischen Eislingen und Bad Bohl waren schnell durchradelt und da traf ich dann auf meine Frau Astrid und einige meiner Mitrotarier aus dem Club Zürich-Dietikon und RC Rattenberg. Wir alle feierten den Geburtstag unseres deutschen Freundschaftsclub RC Göppingen-Staufenberg – es war ein ganz toller rotarischer Anlass. Danke an alle Göppinger! Am Sonntagmorgen trennten sich dann unsere Wege wieder und ich fuhr rauf auf die Schwäbische Alb. Eine ziemlich verschwitzte Angelegenheit, obwohl auf der Höhe ein unangenehmer, heftiger Wind wehte. Aber gegen Abend erreichte ich Römerstein, wo ich auf dem Campingplatz mein Zelt aufstellte.

Der folgende Radlertag führte mich über den riesigen ehemaligen Waffenplatz nach dem Städtchen Münsingen.


Erneut begleitet von herrlichem Herbstwetter fuhr ich dann anschliessend entlang der Lauchert nach Sigmaringen, wo ich spät am Abend noch eine Uebernachtungsmöglichkeit suchen musste. Der nächsten Tag führte mich der noch jungen Donau entlang nach Immendingen. Ich fand diesen Abschnitt ausserordentlich abwechslungsreich, da sich die Gegend immer wieder etwas änderte und nach jeder Flussschlinge ein neues Bild auf mich wartete. Kurz vor Immendingen kam ich zum Ort, wo die Donau versickert und etwas weiter unten und auch auf der anderen Bergseite in Tuttlingen wieder auftaucht. Ein Teil des Donauwassers verzieht sich also wieder auf die andere Seite und endet  im Rhein und damit in der Nordsee statt im Schwarzen Meer.


Von Immendingen gings jetzt wieder mal ein Stück weit aufwärts, da ich den Randen überqueren musste. Es dauerte aber nicht sehr lange und ich war am 14.10.2015 um 10:55 Uhr beim Zollamt Bargen und damit lag auch Deutschland nach 1'127 km hinter mir.