Reiseberichte

Estland        11. - 28. Juli 2015

von    2 615 km  -  3 366 km           total  751 km

Schon von weitem sieht man, aus Kingisepp herkommend, eine riesige Mauer mitten auf der Strasse. "Was haben da die Russen wieder gemauert" waren meine Gedanken. Als ich dann beim Zoll in Narva ankam, sah ich, dass diese "Mauer" von den Deutschen erbaut wurde. Es handelt sich um die Hermannsburg mit ihrem Turm dem "langen Hermann". Die Prozedur am Zoll war eigentlich einfach, ausser, dass ich mit meinem Anhänger nirgends durchkam. Ich musste mit den Fussgängern gehen und die Türen waren zu schmal um den ca. 4 cm zu breiten Anhänger durchzubringen. Also jedesmal Räder abschrauben und durchtragen. Zum Glück hat mir wärend der ganzen Zeit ein netter Este, der in Russland mit dem Fahrrad auf Pilzsuche war, geholfen. Bei der Einreise nach Estlang ging dann auch das nicht mehr und so haben sie schlussendlich den Zaun demontiert um mich durch zu lassen. Eigentlich wäre ja alles ganz einfach: mit den Autos durch den Zoll fahren - aber das wollten die lieben Zöllner eben nicht. Am 11. Juli um ca 16:00 Uhr war das ganze Prozedere durch und ich suchte den nächsten Bankomaten und später einen Platz zum Übernachten. Der Kilometerzähler zeigte gerade die Zahl 2601km an. Das auffälligsten war für mich der Wechsel der Lebensfreude. Die Häuser waren plötzlich herausgeputzt, hatten Blumenschmuck auf den Fenstersimsen und im Garten und alles sah gepflegt aus.

Brachland existierte immer noch - aber im guten Sinne - als Rückzugsfläche für die Natur. Die Fruchtfelder standen in schönster Pracht und man hatte den Eindruck, hier wird gepflegten Ackerbau betrieben, ohne die Natur auszubeuten.

Der Stolz eines jeden Bauergutes ist das Storchennest zu sein. Kein Hof ohne Storchennest.

Zwei Beispiele wie hier die Natur noch ihr Auskommen hat. Ein herrlich "gestufter" Waldrand, wie man ihn sich bei uns wünschen täte und auf diesen Feldern hat die Ackerflora (im Bilde Ackerrittersporn) noch ihren Platz. Die Viehweiden haben alte, grosse  Schattenbäume - man räumt der Natur also noch gebührenden Platz ein.


Die alten Bauerhöfe gleichen Festungen, aber je näher man Tallinn kommt, sieht man auch wunderschöne, alte Gutshöfe. Landwirtschaft hatte hier wohl schon immer "goldenen Boden" und man versteht, dass die Preussen dieses Stück Land ins Reich einverleiben wollten.  Die modernen und neuen Höfe sehen aus wie bei uns, sind aber einfach ein wenig grösser. 


Plötzlich haben die Kirchen auch keine Zwiebeltürme mehr sonder Türme mit spitzen Hauben.


Hie und da brauchen Mensch und Hund auch eine Rast wie hier auf einem wunderschönen Hickercamping. Ich traf hier auch ein Päärchen aus Estland die mit ihrem Freund aus Oesterreich (eigentlich ein Taiwanese) auf einer Wandertour waren. Die Drei hatten einige Steinpilze und Eierschwämme gefunden, hatten aber keine Pfanne um ein herrliches Pilzgericht zu zubereiten. Letztere konnte ich beisteuern und kam so kamen alle Vier zu einem herrlichen Nachtessen.


Auch die Mittagsmahlzeit, inklusiv Mittagsruhe, durften wir oft an wunderschönen Orten verbringen. Hier gab's eine feine Fischsuppe und anschliessend ein schönes Stück vom Fischlein.


Wir waren nun nicht mehr weit von Tallinn entfert und mussten noch ein letztes Mal übernachten. Leider fanden wir das, von der freundlichen Polizei des langen und breiten erklärten Hostal nicht und übernachteten halt im Waldgürtel des Industriegenbietes. Ausser dem Lärm irgendwelcher Aggregate wurden wir hier nicht gestört. Als ich am nächsten Tag in die Stadt Tallin fuhr kam ich am Fiedhof (eher ein Friedwald) vorbei.

Hier sprach mich ein Fahrradfahrer an der, wie sich herausstellte, früher für Reuters in NY gearbeitet hat und jetzt hier in Estland selbständig arbeitet. Er organisierte, nach nur wenigen Worten, die wir zusammen wechselten, ein "Date" mit der Nachrichtenagentur vom Estnischen TV. Dies führte dann zu dem unglaublichen Interview, welches mich noch durch ganz Estland begleiten sollte. Die Fahrt nach Tallinn führte mich entland des Hafens direkt zum Hotel, welches Astrid für uns gebucht hat.

Am Nachmittag vom 16. Juli traf ich also - nicht ganz unkompliziert - beim Hotel in dem neu umgebauten Viertel Rotermanni mit Astrid und dem Vermieter des Appartementes zusammen. Ausser einem kleinen Einkauf, nebst dem Bezug der Wohnung, begnügten wir uns mit einem feinen Essen auswärts.

Tallin ist eine Stadt die bei näherem Hinsehen gewinnt. Am Anfang war ich etwas enttäuscht aber mit jedem Besuch in der Altstadt fand ich sie interessanter und auch die Umgebung, wie zum Beispiel das Freiluftmuseum, waren trotz zeitweiligem Regen, den Effort wert. Astrid hat sich nämlich ein Fahrrad gemietet und wollte natürlich möglichst viel sehen. Dank dieser ehefraulichen Aktivität sah ich wesentlich mehr von Tallinn als von anderen Städten. Hier nun ein paar Bilder dieser alten Hansestadt. Belebte Plätze, schöne alte Gassen und gepflegte Details, das alles ist hier zu sehen und wird natürlich auch von tausenden anderen Touristen ebenso besucht. Also ein sehr touristischen Ort, ob einem das gefällt oder nicht.



Und noch ein paar Eindrücke aus dem alten Estland:


Um die Mittagszeit vom 21.July fuhr dann Astrids Bus nach Riga und ich machte mich auf den Weg aus der Stadt raus. Zuerst genemigten wir uns aber noch einen feinen Kaffee in dem zur Zeit wirklich angesagten Quartier Rotermanni. Ich fuhr in südwestlicher Richtung weiter um später an die Nordwestküste zu kommen. Eine mehr oder weniger flache Landschaft mit Landwirtschaft und vor allem Kiefernwald. Vorbei gings an romantischen Ferienhäusern, hübschen Autobusswartehäuschen und vielen Ringelnattern, die meisten davon überfahren, nach Haapsalu.


In Haapsalu, einem hübschen alten Städtchen mit einer Burg und netten, typischen Häuserzeilen und einem Hotel, welches schon bessere Zeiten erlebt hat, ...



... gab es auch ansprechende Plätzchen und herrliche Strassenrestaurants. Hier genemigte ich mir noch ein kleines Mittagsmahl, bestehend aus einem feinen Bier und einem sog. Wolfssandwich - was immer es auch war - es war lecker.


Nach dieser Stärkung gings weiter Richtung Süden zum bekannten Vogelschutzgebiet Matsalu Nationalpark. Auch hier traf man auf wunderschöne, restaurierte und riedbedeckte Holzhäuser. mit ihren "Fischtrocknungsanlagen". Diese Trockenfische werden hier im Norden äusserst gerne gegessen und fast jederman hat sein Stücklein im Hosensack und kaut zwischendurch auf dem Fisch herum oder bietet sie einem "armen Fahrradfahrer" an.


Nach diesem Aufenthalt im Nationalpark gings weiter durch Wälder und Wiesen nach Pärnu um dort doch noch einen Rotary Club zu treffen.


Dieser tagte in einer, zum Hotel umgebauten, Villa. Das Mittagsmenü wurde von adrett beschürzt und behandschuhten Servierpersonal serviert und war ausgesprochen gut und reichhaltig. Über den Preis von 11 Euro kann man nur staunen.

Pärnu ist eine Stadt die an der Bucht von Riga liegt und lange Sandstrände hat. Meine Zeit war kurz bemessen weil ich ja noch die Tierklinik vom Veterinär des Clubs besuchen durfte und ich anschliessend noch weiter in Richtung Lettland wollte. Alte, renovierte Plattenbauten sehen ganz gepflegt aus. Tierklinik und Plattenbauten.


Am 28. Juli war die Grenze zu Lettland erreicht, ohne dass man viel davon bemerkte. Einzig eine grosse Tafel kündigte an, dass man sich jetzt auf Lettischem Boden befinde. Dies nach 3366 km.