Reiseberichte

Finnland - 29. Mai - 02. Juli 2015

von  310 km  -  2184 km        total  1874 km

Mein Aufenthalt in Finnland hat super gut angefangen. Ein schönes Rentierfilet mit Kartoffeln und etwas Gemüse, dazu einen feinen Chilenischen Wein. Frohen Mutes verliess ich das Restaurant und stieg aufs Rad. Und obwohl wir diese Strecke in der Gegerichtung mit dem Camper gefahren sind, war ich über die 10% Steigung (wie auf einem Warnschild angezeigt) doch überrascht. Ich merkte schnell, dass ich das im Sattel nie schaffen werde. Also war schieben angesagt. Nach 10 Minuten war die kurze Steigung geschafft und wir konnten entspannt weiterradeln - bis zur nächsten Steigung. Aber wir fuhren heute ja nur noch 10 km und machten eine fast ebene Zusatzschlaufe zu einer Rentierverladestation (was man hier Erotusaitu nennt). Der Weg war unbefestigt aber in einer traumhaften Gegend gelegen.


Diese Schlaufe machten wir eigentlich nur der Vögel wegen - die Anlage selbst besteht ja nur aus verschiedenen Weideflächen mit relativ hohen Zäunen. Zurück zum eigentlichen Vogelbeobachtungsort fand ich leicht und es hatte dort eine Art Hütte, mit einer Feuerstelle in der Mitte, in der man schlafen könnte. Ja könnte! Wären da nicht schon zwei Finnische Vögelibeobachter mit ihren zwei total unerzogenen Hunden, die laut kläffend auf den zurückhaltenden Dimitri losgingen. Beim Zurückhalten des einen Hundes wurde der Besitzer von seinem Rüden dann auch kräftig in die Hand gebissen. Wir entschlossen uns daher, einige hundert Meter weiter zu fahren und unser Zelt aufzustellen.


Die Strecke zwischen Norwegen und dem Ort Kaamanen hatte es in sich. Ein ewiges rauf und runter aber zur Belohnung gabs ein paar schöne Plätzchen wo man ornithologische Leckerbissen geniessen durfte. Und wenn der Oberhund ornithologisch beschäftigt war, verzog sich Dimitri an einen ruhigen Ort.

Der nächsten Tag fing mit einer geistigen Turnübung an: soll ich - soll ich nicht. Ich entschloss mich dann aber, in das 10 km entfernte Café Neljän Tuulen Tupa zurück zu fahren. Aber es lohnte sich. Beim diesem Café wird eine Futterstation für Vögel das ganze Jahr über unterhalten. Ein bei vielen Ornithologen bekannter Ort und ich wurde, wie gesagt, belohnt. Der Hakengimpel und einige andere Finken und Meisen zeigten sich in ganzer Pracht. Die beiden Bilder zeigen den seltenen Hakengimpel und die ebenso seltene Lapplandmeise.


Die Fahrt nach Inari war nachher eine Wohltat, da es praktisch flach war und dazu noch die Sonne schien. Unterwegs machte ich bei einem der Souveniershops halt, um einen Geheimtipp einzulösen. Man sagte mir am Vortag, es gäbe da selbstgeräucherten Lachs günstig zu kaufen. Für 7 Euro kaufte ich mir ein riesiges Stück, welches mir für das Mittagessen und das Abendessen reichte. 


--> Unser Picknickplatz.

Als ich dann endlich auf dem Campingplatz war, fing es geraden an, leicht zu regnen. Die Folge davon war, dass ich den nächsten Tag (1.6.15) in Inari verbrachte, da es praktisch 24 Stunden weiterregnete.

Nach diesem Ruhetag wollte ich die paar Kilometer nach Ivalo möglichst rasch zurücklegen, da ich am Abend den  Rotary Club Ivalo besuchen wollte. Ich kam auch trotz heftigem Gegenwind recht zügig voran und fand sogar noch Zeit auf ca. halbem Weg einen Souveniershop zu besuchen, wo ich neben einem Kavi (so schreibt man das in Finnland) auch noch eine finnische Fahne kaufte, die von jetzt an den Hundeanhänger schmückte. Der Besuch im RC war sehr nett, aber leider waren nur wenige Mitglieder anwesend und auch der vorgesehene Referent fiel infolge Krankheit aus und so durfte ich längere Zeit über das Projekt "Von Kap zu Kap" referieren.


Am anderen Morgen versuchte ich eine Grussbotschaft an meinen Club per Video zu machen. Zuerst fragte ich die Chefin der Campinganlage, dann eine Kindergärtnerin, aber beide schafften es nicht rechtzeitig das Video auszulösen. Entnervt gab ich auf, fuhr dann aber doch wieder zurück (ich brauchte ja Netz zum übermitteln) machte ein "Selfievideo" und es kam gar nicht schlecht raus.

Evt Video das ich Vivi geschickt habe.

Nicht lange danach hatten wir unsere ersten 500 km abgestrampelt und vor allem auf 4 Pfoten zurückgelegt.

Es folgte nun eine gemütliche Fahrt nach Saariselkä, einem Zentrum des finnischen Lapplandes. Was sage ich gemütlich: die letzten 5 km hatten es in sich und ich war froh, dass meine Kondition etwas besser geworden ist. Es war in etwa vergleichbar mit dem Aufstieg auf den Hauensteinpass im Baselbiet. Nun musste ich natürlich eine richtige Pause einschieben und ich genoss einen Mittagsbuffet in einem kleinen Restaurant. Hier liess ich dann auch mein Handy auf der Toilette liegen und machte mich gut gelaunt auf die Weiterfahrt.  Kurz bevor ich in Tankavaara - einem alten Goldgräberdorf ankam, bemerkte ich das Fehlen dieses heute fast unabdingbaren Gadgets. Da half nun nur noch die finnische Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft. Ich erzählte das Missgeschick der netten Lady beim Einchecken und sie zückte sofort ihr Handy und hat besagtes Restaurant angerufen. Ja das Handy sei hier und man bringe es sofort selbst in Tankavaara vorbei. Ich konnte kaum das Zelt aufstellen und eine Dusche genehmigen - da waren sie schon da. Danke nochmals.

Eine ruhige Nacht im Zelt und ein schöner Vormittag folgten. Leider fing es am Nachmittag heftig an zu regnen und als ich bei den ornithologisch wirklich interessanten Gebieten ankam, war an ein gemütliches Beobachten nicht zu denken. Zu allem Unglück war auch der angezeigte Campingplatz nicht auffindbar, so dass wir halt einfach weiterfuhren resp. trotteten. Bei km 94 hatten wir genug und wir verzogen uns in den Pinienwald (es war ja auch schon nach 22:00 Uhr). Und um 23:00 stand das Zelt.

Den nächsten Tag machten wir auf Erholung. Ausschlafen bis ca zehn Uhr, lockere Fahrt nach Sodankylä, wo wir den für uns hinterlegten Pass mit Visum für Russland (danke Sinikka und Annina) abholen konnten und im Hotel Sodankylä noch ein schönes Lunchbuffet geniessen durften. Anschliessend tätigten wir noch Einkäufe und dann ab auf den Zeltplatz.


Auf dem Zeltplatz traf ich dann noch einen finnischen Biker. Den Ari Tuori, der mich zur ersten Finnischen Saunasession einlud. Anstatt des uns bekannten Aufgusses wird alle paar Minuten eine Kelle Wasser auf den Ofen geschüttet. Und ohne Bier keine Sauna. Danke Ari für dieses Erlebniss.

Am nächsten Tag, wir haben schon den 6.Juni, fuhr ich weiter in südlicher Richtung. Zuerst auf der stark befahrenen Landstrasse in Richtung Rovaniemi. Was heisst hier in Lappland stark befahren: alle 5 Minuten ein Fahrzeug und trotzdem wird es angenehmer wenn nur alle 15 Minuten ein Fahrzeug die Idylle stört. Dies ist der Fall, als ich in Torvinen nach dem Skigebiet Pyhä abbiege. Ein schönes Gebiet, mit einigen wenigen und vor allem kurzen Skiliften. Es muss aber im Winter unheimlich viele Langlaufleupen haben und auch dem lärmigen Motorschlittensport wird hier gehuldigt. In einem Luxushotel habe ich mich nach dem Preis einer "Cabine" erkundigt:  120.- Euro pro Nacht. Eigentlich ncht viel, wenn man bedenkt, dass Platz für mindestens 4 Personen ist, eine offene Feuerstelle und eine private Sauna dazu gehören. Und die Badeanlage mit Sauna etc. auch benutzt werden kann.

Nun bin ich eben alleine und da entschloss ich mich weiter zu suchen. 15 km weiter kommt ja der nächste Ort. Leider hats dann angefangen zu regnen und ich verfluchte die Idee des Weiterfahrens gründlich. Glücklicherweise bin ich ja einfach wieder aufzustellen. Die Neubeobachtung des Wanderlaubsängers tat dazu ihr Bestes. Der nächste Hammer kam aber auch gleich wieder - es regnete jetzt in Strömen und ich fragte einen Herrn in einem Auto ob er eine Bleibe für die Nacht kenne. Er verneinte, aber wenn ich etwa  7km zurückfahren würde könne ich bei ihm übernachten. Da ich mir nicht im klaren war ob ich zwei Nächte bleiben möchte bedankte ich mich und fuhr weiter. Nach etwa 300m kam eine Kapelle und daneben etwas wie ein Hotel. Ich ging nachfragen und nach einigem hin und her bekam ich einen Teil einer Hütte - Sauna und Toilette/Dusche halt nicht im gleichen Haus - aber für 15 Euro die Nacht und direkt am See . Internet und Frühstück im Hotel Kairosmajan Revontulikappeli und nicht zu vergessen ausserordentlich nette Gastgeber.

Der folgende Tag war zwar bewölkt aber ich wollte trotzdem weiterfahren - Kemijärvi war mein Ziel. Dies wurde auch ohne Zwischenfall erreicht und dann gings direkt auf den Campingplatz wo ich wegen der unsicheren Wetterlage wieder eine Hütte nahm. Es regnete am nächsten Tag zwar nicht permanent aber doch ab und zu. Ich blieb also und durfte im Raum hinter der Reception am Komputer arbeiten. Am nächsten Tag besuchte ich dann den Mittagslunch vom RC Kemijärvi. Die beiden Bilder zeigen das Clublokal und Besucher mit Präsident.


Nach dem Lunch musste ich ans weiterfahren denken. Die Fahrt ging zuerst dem See entlang...

...und dann über eine kaum befahrene Naturstrasse. Dies war für Dimis Pfoten wohl eine Wohltat, da ich ihn ständig zurückrufen musste. Die Strasse endete dann abruppt an einem See - aber kaum war ich dort, setzte sich am gegenüberliegende Ufer die Fähre in Bewegung. Sie wurde an ein Drahtseil hin und her gezogen.


Nach dem Fährübergang (der übrigens kostenlos war) ging's nur noch wenige Kilometer und eine weitere Grenze wurde überschritten - der Polarkreis. Diesmal kam ich von der anderen Seite,

Wieder einmal waren die Möglichkeiten etwas zu essen oder trinken einfach nicht vorhanden oder dann noch geschlossen und so nahm ich dann das erste Hütten-Zeichen am Wegrand wahr und bog ab. Etwas teuer zwar, aber die 60 Euro wert. Und auch Dimi fühlte sich am warmen Ofen wohl. 


Die Sauna wurde natürlich auch benutzt, wenn es auch etwas langweilig ist so alleine zu saunieren. Man kann aber nachher noch die frisch gewaschene Wäsche trocknen. Um 24:00 Uhr fotografierte ich wohl noch zum letztenmal auf dieser Reise die Mitternachtssonne.

Mit der Weiterfahrt nach Valtavaara, dem ornithologischen Mekka von Finnland, begann das ganze Fiasko um Kuusamo. Am ersten Tag bezog ich Quartier auf dem Campigplatz Viipus etwas südlich vom Tal nach Valtavaara. Noch schnell nach Ruucka zum Einkauf und wieder zurück. Am nächsten Morgen frühe Abfahrt um in Valtavaara Vögel zu beobachten. Leider ohne grossen Erfolg. Anschliessend Weiterfahrt nach Kuusamo. Jetzt kam was ganz Neues, Dimi will nicht mehr. Also verlud ich ihn, ohne dass er Widerstand leistete, in den Trailer und fuhr die letzten 15km zügig und unterstützt von einem ordentlichen Rückenwind bis auf den Zeltplatz 5 km vor Kuusamo. Am nächsten Tag fuhr ich in die Stadt um gewisse Gebiete noch nach speziellen Arten abzusuchen. Auf dem Weg dorthin wollte ich mich noch vergewissern, dass das Rotarytreffen am Abend dann wirklich im besagten Hotel stattfindet. Welch eine Enttäuschung: das Treffen war gestern Abend, einen Tag vor dem üblichen Treffen, weil der Referent nicht anders konnte. Dies und die erfolglose Suche nach Zwergammer und Waldammer machten den Abschied von Kuusamo leicht. Noch einen frühen Samstagmorgeneinkauf und los gings in Richtung Taivalkoski. Kurz nach Kuusamo hatten wir aber noch unseren 1000. km.  -  Hurra!

Der Zeltplatz von  Taivalkoski war in einem Huskycamp und ich befürchtete schon ein Riesengeheul wenn die meinen Dimitri sehen. Das war aber nicht der Fall und unser Blockhäuschen stand zum Glück auch etwas abseits.

Früh am Morgen, es war Sonntag, machte  ich nich auf den Weg nach Pudasjärvi. Die Sonne schien und es war verkehrsmässig ein ruhiger Morgen. Ideal um die Natur zu geniessen. Dies konnte ich nun ganz leidenschaftlich, aber so gegen Mittag kam immer mehr Verkehr dazu. Die Wochenendausflügler machten sich von ihren Sommerhäusschen auf ihren langen Heimweg (500km sind fast normal). Vorbei war es nun mit der Ornithologie - im Verkehrslärm verstand man bald sein eigenes Wort nicht mehr. Da traf ich an einer kleinen Kreuzung auf zwei Finninnen die sich auf ihrem Powerwalk befanden. Wir kamen ins Gespräch und zum Schluss luden sie mich ein, bei Ihnen eine finnische Sauna und ein Mittagessen zu geniessen. Eine richtige Grossfamilie war im Sommerhaus anwesend, sie genossen den See und feierten die Konfirmation eines Enkelkindes. Die Sauna war ein Erlebnis für sich, bin ich doch ausgeglitten und hab an meinen Hinterkopf eine schmerzhafte Beule geholt und die Stirne unglücklicherweise an der Ofentür angeschlagen so dass eine veritable, stark blutende Platzwunde meine Denkerstirne zierte.


Nach dem feinen Mittagessen noch ein kurzes Fotoshooting und ich machte mich auf den Weg nach Pudasjärvi. Auf dem Camping angekommen beschloss ich, trotz etwas Regen, das Zelt aufzustellen. Was für eine Fehlentscheidung. Die Mücken haben mich und Dimitri fast gefressen. Schnell das Zelt aufstellen und dann ab in die Küche war nun die Deviese. Leider war die Küche auch nicht mückenproof aber immerhin konnte mans Ueberleben und mehr oder weniger ungestört das Nachtessen geniessen. In die Küche geflüchtet ist auch ein nettes Ehepaar mit einem einige Wochen altem Baby.  Da der Mann Fotograph war und einen Blog schrieb, wollte er am Morgen noch ein Fotoshooting machen und mich in voller Regenmontur ablichten. Es hat nämlich die ganze Nacht geregnet und das ging nun auch den ganzen Tag so weiter. Starke Sturmböen und Dauerregen auf meiner Fahrt nach Oulu.Hier verfluchte ich meine Idee des Kap zu Kap Projektes einige Male. Aber schlussendlich fuhr ich einfach stoisch diese 80km mit Dimitri im Trailer und nur die letzten 20 km musste er auf einem bequemen Fahrradweg nebenher trotten. Nach einer langen, anstrengenden Fahrt erreichten wir Nallikari, den Zeltplatz von Oulu. 

Die nächsten drei Tage verbrachte ich in Oulu. Der erste Tag war verregnet und ich machte mit Dimi nur die notwendigen Spaziergänge und Einkäufe. Der zweite Tag verlief etwas aktiver. Wir machten eine längere Exkursion rund um den Campingplatz und am Abend fuhr ich ans andere Ende der Stadt um den RC Oulujoki zu besuchen. Leider war der Club "in den Ferien" aber zu meinem Glück war der Sekretär Erkki Halvari anwesend. Das Clubtreffen findet jeweils in einer Art-Gallerie statt und strahlt ein besonderes Flair aus.


Nach dem Besuch im Clublokal durfte ich  mich erneut der finnischen Gastreundschaft erfreuen, wurde ich doch von Erkki und seiner Frau zum Nachtessen eingeladen.  Mit einer feinen Fischsuppe im Magen radelte ich dann, alles auf super ausgebauten Radwegen, durch die Stadt zurück zum Campingplatz.


Am Abreisetag machte ich mir einen gemütlichen Morgen. Als alles auf dem Fahrrad war, machte ich noch etwas Sightseeing per Velociped und kam unter anderem an diesem witzigen Haus vorbei.

Ueber Mittag besuchte ich den RC Oulu (der älteste Club der Stadt) und machte mich anschliessend auf den Weg nach Liminka - einem grossen Vogelschutzgebiet südlich der Stadt. Es gab früh Tagwache und um sechs Uhr war ich schon unterwegs zum ersten Beobachtungsturm. Ich wollte doch am Nachmittag noch ein  rechtes Wegstück hinter mich bringen. Zum Glück war die ganze landwirtschaftlich genutzte Gegen flach und velotechnisch nicht sehr anspruchsvoll und so schaffte ich es über Muhos hinaus an den Oulufluss.


Es war ja die Sommersonnenwende und somit ein besonderes Fest der Nordländer. Am Abend war Tanz angesagt und auf dem Fluss wurde auf einem Floss ein grosses Feuer gemacht. Alles sass am Flussufer und schaute gebannt auf das Feuer - so ein Feuerchen  hat halt überall etwas Magisches auch wenn es mehr raucht als brennt. Der Tanzmusik konnte ich, wie die überwiegende Mehrheit der Besucher, nicht viel abgewinnen. So kam es halt wie es kommen musste: Männlein und Weiblein ziemlich verladen und eben nicht mehr so zurückhaltend, ja gar scheu, wie ich die Finnen sonst zu erleben pflegte. Ich verzog mich früh in mein Häuschen um dann früh wieder unterwegs zu sein. Da die Meisten ausschlafen mussten, war ich ohne viel Verkehr unterwegs zum Oulusee. Zudem fand ich oft herrliche Auswegstrecken, wo man höchstens auf einen einsamen Wanderer traf und Dimi durfte frei vor mir hertraben oder überall herumschnüffeln. Bei der Hasenjagd musste ich ihn aber zurückpfeiffen.

Die Etappe vom Oulusee nach Kajaani war sowas von verregnet. Den ganzen Tag hefftigste Gewitter unterbrochen von kurzen trockenen Perioden. Da der Hundeanhänger nicht dicht war, musste der arme Dimi auf dem kalten, durchnässten Bettli platz nehmen, da er in dem Verkehr und dem Regen unbedingt in den Anhänger musste (mittlerweilen klappt das ja auch gut). Ein kurzer Besuch in Kajaani und eine ganz kurze Strecke nach Vuokatti bescherte uns einen fühen Feierabend und so stand dem Saunabesuch (im eigenen Bungalow)nichts mehr im Wege. Die Strasse nach Nurmes (der nächsten Station) war gesäumt von Katzenpfötchen in den Farben rot bis weiss.

Und was im Walde aussieht wie frisch gefallenen Schnee, sind in Wirklichkeit Rentierflechten.


Nurmes und Lieksa waren weitere Stationen auf unserem Weg in Richtung Russland. In Lieksa war das Wetter wieder so schlecht, dass wir einen Ruheregentag einschalteten. Bei unseren kleinen Spaziergängen fand Dimitri mal wieder zwei seiner Objekte der Begierde.


Manchmal sah man am See das gegenüberliegende Ufer aber öfter war es durch Gewitterstürme unsichtbar.

Der Abreisetag aus Lieksa bescherte mir zuerst unsicheres Wetter aber es heiterte zunehmend auf. Kurz nach der Abfahrt entdeckte ich an einer Nebenstrasse ein besonderes Schauspiel. Der See an dem Nurmes und Lieksa liegt, soll der längste See in Finnland sein und so kommt es, dass das Holz nicht mehr auf Lastwagen übers Land gekarrt wird, sondern als riesige Flosse durch den See geschoben wird. Die Bildfolge zeigt den Ablauf vom Lastwagen bis zum "abfahrbereiten" Floss.


Nach diesem Erlebniss fiel mir das weiterradeln leicht. Ich bewunderte die Blumenpracht entlang der Landstrasse und wagte mich sogar auf eine schon von den Wikingern benutzte alte Landstrasse die genau dem "auf und ab"  der Landschaft folgte.


Gegen Abend erlebte ich wunderbare Stimmungen an den Seen Finnlands und durfte dann, da das lokale Hotel in Eno geschlossen war, bei den Feuerwehrleuten auf ihrem frisch gemähten Rasen campieren.


Gestärkt mit einem Expresso von den Feuerwehrleuten, machte ich mich auf den Weg über Ilomantsi nach Mutalahti an der russischen Grenze. Dort traf ich einen Schweizer,welcher vor 36 Jahren als "Dorfhelfer" nach Finnland ausgewandert ist und sich mit einer Finnin verheiratete und jezt auf in alten forstwirtschaftlichen Hof lebt. Die Kinder sind alle in der Umgebung verheiratet und er betreibt jetzt ein Geschäft mit Biogasanlagen.


Nach interessanten Gesprächen (natürlich erst nach der Sauna) und friedlichen Schlaf verliess ich diese Familie um einige Eindrücke reicher und fuhr in Richtung Värtsilä einem weitern Vogelparadies.In Mutalahti hatte es auch die erste Russisch-orthodoxe Kirche auf meiner Reise. Einige Häuser, zB dasjenige von Jussis Schwiegermutter stehen ja auch kaum 50Meter von der Grenze entfernt.

Auf der Fahrt durch Wälder und Moore, traf ich an einem Moor auf diese seltsam aufgespiessten Grassoden - leider weiss ich bis heute nicht was diese für eine Bedeutung haben.

In Värtsilä übernachtete ich in einer Pension, welche im Vogelführer verzeichnet war und ich konnte in einer 3 stündigen, nächtlichen (01:00- 04:00 Uhr) Exkursion neben vielen anderen interessanten Beobachtungen, zwei für mich neue Vogelarten beobachten. Das Weiterfahren nach dem Frühstück fiel mir etwas schwer, aber tollen Blumenwiesen entlang der Strasse gaben immer wieder Kraft zum Weiterradeln.

Endlich kam ich, in der Nähe von Kesälahti, todmüde auf einem schönen Campinplatz an und traf auch gleich einige Leute mit denen wir zuerst in der Sauna anschliessend zum Nachtessen abmachten.

Das Zelt war schnell aufgestellt und dann eben ab in die Sauna. Zwei Jungs von einer Köchin die hier in dieser Stadt auf dem Markt für zwei Tage den speziellen, kleinen Fisch gekocht hat, haben gut eingeheizt. Hier traf ich auf ein weiteres Paar, sie eine Russin und er verheirateter Finne mit zwei Mopshunden. Das spezielle an diesen Hunden war, sie  kamen mit in die Sauna und zwar hockte sie auf den obersten Bänken bei grösster Hitze und wie es aussah auch mit grösstem Vergnügen. Sachen gibts. Die Sauna, das Nachtessen, es bestand aus einem riesigen, geräuchter Lachs, und das leeren zweier Flaschen Vodka dauerte bis in die frühen Morgenstunden und trotzdem war ich um 10 Uhr wieder auf der Strasse. Diesmal wollte ich bis nach Parikkala fahren, fand aber weder einen Campingplatz noch sonst eine Gelegenheit zum Uebernachten. Der nächstgelegene Camping auf der Karte in Koitsanlahti wurde angesteuert. Leider wurde dieser schon vor Jahren geschlossen.und so suchte ich mir einen Platz in einem Seitenweg. Leider fand ich nichts geeignetes und so fragte ich eine

zufällig durchfahrende Familie ob sie evt. etwas wüssten. Ein kurzes Handygespräch später und ich fuhr hinter ihnen her zu einem der schönsten Plätze wo ich dann mein Zelt aufschlagen durfte.

Früh am Morgen stand ich wieder auf, da ich von den lauten Rufen des Tüpfelsumhunes wach wurde. Ich packte und stieg aufs Velo um so schnell wie möglich nach Imatra zu gelangen - Russland soll ja  am nächstenTag "erfahren" werden. Vorerst übernachtete ich und Dimitri noch in einem  ****** Spa Hotel, wo mein Fahrrad in der Garderobe übernachten durfte. Als ich die wunderschöne Badeanlage mit Sauna etc. genoss, öffnete mein ungezogener Hund die Zimmertüre und marschierte einfach etwas durchs Hotel. Schliesslich ging er zur Reception  wo er von den netten Receptionistinnen mit Gutzli und Streicheleinheiten verwöhnt wurde. Die Zimmertüre hat er natürlich nicht wieder zu gemacht - aber es hat zum Glück niemand etwas zu meinen Sachen dazugelegt

Gemächlich und mit gemischten Gefühlen fuhr ich die kurze Strecke an die Grenze. Habe mich in der Aufregung sogar noch in eine Sackgasse verfahren und durfte nochmals etwa 5 km zurückfahren um auf die richtige und einzige Strecke zur Grenze zu gelangen. Am 2 July um c a 14: 30 Uhr verliess ich Finnischen Boden. Das Abenteuer Russland konnte beginnen.