Reisebericht

Kenia        06.July - 06.September 2017

 

  von       17`483 km  -  18`411 km              total:   928 km        

 

 

Als ich nach dem aethiopischen Zollgebäude in Richtung Kenia blickte, verliess mich zum ersten Mal auf dieser Reise etwas den Mut. Keine Strasse, nicht mal ein angedeuteter Feldweg soll hier nach Kenia führen. Sie müssen nur den weissen Steinen nach fahren und dann kommen sie nach etwa 10 – 15 km zum kenianischen Zoll. Der grosse, weisse Stein in der Bildmitte ist so etwas wie die Dreiländerecke Aethiopien/Kenia/Südsudan.

 

 

Etwas mutlos radelte ich dann den paar Spuren nach die sich aber immer wieder trennten und oft hunderte von Metern entfernt von den „weissen“ Steinen in südliche Richtung führten. Manchmal konnte ich zügig fahren, da der Boden hart, trocken und ohne Vegetation war. Dieser gut fahrbarer Untergrund wechselte sich ab mit Sandinseln von mehreren hundert Meter länge und mit stärker überwachsenen Spuren. Die beiden letzteren waren mühsam mit Fahrrad und Anhänger zu überwinden. Oft musste ich mein Gefährt schweisstreibend und fluchend, stossen und/oder ziehen.Aber nach etwa drei Stunden hatte ich die Station der kenianische Grenzpolizei vor mir. An dem eigentlichen Grenzposten fuhr ich, ohne diesen als solchen zu erkennen, vorbei aber bei der Borderpolice machte ich halt und verpflegte mich mit dem Fitnessgetränk der alten aethiopischen Krieger. Diese Getränk aus einem Mehl von verschiedenen Getreiden und Zucker erhielt ich von meiner Gastgeberin in Addis Ababa und dies leistete mir und Dimitri, in der kargen menschenleeren Gegend von Südwestaethiopien und Nordkenia, mehr als nur gute Dienste.

 


 

Meine erste Station in Kenia war die spanische Mission Todenyang wo man mich darauf aufmerksam machte, dass ich nicht an den See gehen soll, da vor kurzem dort zwei Arbeiter erschossen wurden. Es war dies aber auch der einzige Ort nahe am Seeufer. Die einzige Strasse Richtung Süden führte von da immer dem See entlang war aber meistens ein bis zwei Kilometer vom Ufer entfernt und führte für weitere 150 km durch sandiges, mit Akazien bewachsenem, Grasland. Eine mühsame Strecke mit einer Tagesleistung von um die 30 km; oft hatte ich eine Stunde für 1-2 km. Es war aber eine interessante, wieder an den Sudan erinnernde Strecke. Die Häuser waren aus einem Holzgerüst, Schilfmatten und Papyrus und lediglich die Türen waren aus stabilerem Material, vorwiegend aus Holz. Auch die Kinder bauten Ihre Spielhütten nach dem Vorbild ihrer Eltern.

 



 

Nach dem Städtchen Kalokol konnte ich auf einer halbwegs befestigten Strasse vom See weg durch hügeliges, stärker bewaldetes Gebiet nach Lodwar fahren. Hier fand ich wieder einmal eine angenehme, günstige Lodge und traf auf einen sehr netten Spanier aus Madrid der seit vielen Jahren als Ingenieur in der spanischen Mission arbeitet.Wie er sagt – als Langzeitvolontär. Die spanische Mission betreibt in diesem Dreiländereck mehrere Stationen wo sie Dämme baut und Brunnen gräbt und unterhält. Am Rande konnte ich auch an einer Konferenz über die Entwicklung dieses Gebietes teilhaben. Der Vortrag kam mir vor wie eine Schulstunde vor bald 40 Jahren an der Royal Dick Universität in Edinburg – etwas andere Zahlen, d.h. es hat sich seither nichts getan. Da die Infrastruktur (Strasse, Elektrizität etc.) sich nicht verändert hat ist für mich das eine logische Folge davon und es wird auch in weiteren 40 Jahren noch so sein, wenn nicht, wie in Aethiopien, die Chinesen (oder andere Nationen) kommen und die Strassen ausbauen.

 

 

Die Landschaft nach Lodwar änderte sich nur unmerklich. Die Strasse wurde leicht besser war aber meistens noch ohne Teerbelag. Der Akazienwald wurde dichter und die Termitenhügel hatten wieder einen „Kamin“ und die Berge kamen immer näher. Kamele sind hier wieder die Haustierart Nummer eins und obwohl ich am Rande eines Natonalparks fuhr, sah ich ausser ein paar Duckerantilopen keine Wildtiere.

 

 

 


 

Nach einer Uebernachtung in einem wunderschönen Camp am Fluss, kamen die Berge die ins Kenianische Hochland führen. Es war eine schöne aber etwas anstrengende Tour aber schon am dritten Tag erreichte ich die Passhöhe und kurz darauf Kapenguria.

 

 

Nach Kapenguria fand ich einen schönen Campingplatz auf einer alten Englischen Farm. Die bald 90 jährige Lady Jane und ihr Sohn bewirtschafteten den Hof – haben aber die Landwirtschaft

 


 

schon vor einiger Zeit aufgegeben. Trotzdem strahlte der Platz einen speziellen Charm aus und wir fühlten uns hier echt wohl, obwohl Dimitri oft von den anwesenden Jack Russel`s belästigt wurde.

 


 

Vor Kitale besuchte ich noch den Saiwa Swamp NP, den kleinsten Nationalpark in Kenia und nach Kitale folgten die letzten Kilometer nach Kimilili am Fusse des Mount Elgon wo ich für ein paar Wochen in der CBSM Schule arbeiten werde.

 


 

CBSM: School for life:

 

Für einige Wochen wurde mein Nomadenleben ein wenig sesshafter und ich versuchte etwas mehr wie nur Geld in dieses Projekt zu stecken. Da zur gleichen Zeit vier Studenten aus St.Gallen, die Idee hatten, ebenfalls an dieser Schule Volontärarbeit zu leisten, waren wir eine echt aufgestellte Mannschaft die zusammen mit einheimischen Maurern, Steinmetzen und Hilfsarbeitern versuchten einige Mauern für die neuen Klassenzimmern zu bauen. Es war eine aufschlussreichen Zeit und wir hatten eine Menge Spass miteinander. Siehe auch unter „Brick for Kimilili“ auf Facebook. Die Wände waren ursprünglich aus Wellblech.

 

 

Die Steine für die Wände wurden von Hand aus den Felsen am Mount Elgon herausgehauen.

 

 

 


 

Anschliessend vor der Schule weiter bearbeitet und schlussendlich für die neuen mehr oder weniger schalldichten Mauern verwendet.

 

 

 


 

Chef-Vorarbeiter Dimitri überwachte das Geschehen und die gesammte Mannschaft. Die Mauern werden höher und höher,

 



 

Noch etwas Feinarbeit an den Aussenwänden und die provisorischen Fenster einsetzen.

 

 

 


 

Einen Teil der Baumannschaft und die Familie bei der sich alles abspielte. Beim Direktor der CBSM School4Life

 


 

Der Dank des Direktors und der Kinder

 

 

 

 

Was soll noch weiter geschehen? Nach einer Besprechung mitdem Direktor, dem Projekt-Ingenieur und der Finanzfachfrau sahen wir die Küche als ein ganz dringliches Problem. Ich hoffe, dass wir ein gemeinsames, internationales Projekt mit dem Rotary Club Kitale und dem Rotary Club Zürich-Dietikon lancieren können. Welches  auch von der Rotary-Foundation unterstützt wird.

 


 

Bevor ich aber weiterreisen konnte, bekam ich von Agnes (eine der Initiantinnen von School4Life) den Auftrag noch die jüngsten Kinder der Schule zu portraitieren. Ich will es nicht versäumen hier ein paar Bilder zu zeigen. Diese Kinder und die auffallenden Frisuren der Kenianischen Frauen, das fröhliche, aufgestellte Verhalten von Alt und Jung werden mir nachhaltig in Erinnerung bleiben.

 




 

Eine kleinen Fahrradtour an den Rand des Nationalparks Mount Elgon zeigte mir die Ebene um Kimilili gegen Eldoret. Durch diese leicht hügelige Landschaft radelte ich zur Grenze nach Uganda. An dieser Grenze war dann noch ein kleines Problem zu lösen: Ich hatte keinen Einreisestempel von Kenia in meinem Pass. In Nordkenia war eben keine Grenzkontrolle vorhanden und deshalb war ich die ganze Zeit ungewollt „illegal“ in Kenia. Ein kleines Bakschisch löste das Problem (ich hätte den Betrag aber lieber in der Schule von Kimilili investiert) und ich konnte in Uganda einreisen.