Reiseberichte

Norwegen - 21. - 29. Mai 2015

Von 0 km bis 310 km - Total 310 km

21. Mai 2015: Endlich am Start!

 

Eigentlich gehört die folgende Episode ja noch zu den Vorbereitungen. Aber was ist schon ein Start am Nordkap ohne Mitternachtssonne!

 

Es ist der 21. Mai 2015, abends um 23:30 Uhr. Wir drei - meine Frau, ihre Freundin Barbara, sowie meine Wenigkeit - sind vor einer halben Stunde am Nordkap angekommen und haben kurz nach 23:00 Uhr die letzten Sonnenstrahlen zu sehen bekommen. Da die Wolkendecke immer dichter wurde, entschlossen wir uns, in die grosse Nordlandhalle zu gehen. Ich wurde von einem Herrn darauf aufmerksam gemacht, dass der Hund draussen bleiben sollte. Es entspann sich ein kurzer, aber heftiger Disput über diesen Unsinn, brachte dann Dimitri jedoch nach draussen.

Als ich nach einigen Minuten zurückkam, sagte mir Astrid, ich solle sofort an den Informations-Desk gehen, da man etwas für einen Fredy Huber habe. Ich dachte, es gehe um den Disput von vorher, aber stattdessen übergab man mir ein Packet von einem Walti.


Ich hatte total keine Ahnung was das soll oder sein könnte - und rätselte. Dann trieb mich der "Gwunder" und ich konnte das Paket nicht schnell genug auspacken. Das war eine riesig Überraschung von meinem Rotary Club Zürich-Dietikon, es trieb mir Freudentränen in die Augen und erst Tage später dämmerte es mir, dass dies die ominöse "Startlinie" war, von der unser Freund Walter Menig mal gesprochen hat. Diese Überraschung ist total gelungen! Herzlichen Dank an Walti, Carol und Gian-Reto sowie allen weiteren, die daran beteiligt waren.


Was steckt wohl da drinnen? Schreibzeug und Messer (beides täglich in Gebrauch), Warnweste (wird auch ab und zu angezogen), das Essbare ist bereits verschwunden.

Auf dem Campingplatz Honningsvag erwartete mich das nächste Paket - dieses jedoch von unserer Praxis-Crew: mein offizielles Fahrradtour-Langarmshirt! Auch hier ein herzliches Dankeschön an Alle!


22. Mai 2015 - Nun geht es los!


Das war eine kurze Nacht! Eigentlich klar, dass die kurz war: Mitternachtssonne, Überraschungen und dann noch die Aufregung und Vorfreude dazu.

Kurz vor dem Mittag kamen wir also wieder ans Kap. Nun galt es, so schnell wie möglich startklar zu werden. Ich wollte heute ja noch zurück radeln und zu einer anständigen Zeit wieder auf dem Campingplatz sein wollte, um ein letztes Mal im Camper zu übernachten.

Zusammensetzen & Taschen montieren.


Der junge Mann im grünen Anorak ist ein Tourenfahrer aus Winterthur (CH) und fuhr von Gibraltar ans Kap. Jetzt fliegt er von Alta zurück in die Schweiz.

Und hier ist DER PUNKT! Start meines grossen Abenteuers und der erste Abschied. Von nun an schwindet der tolle Support rasant.

Daumen hoch!

Und los geht's - die Fahrt ins Unbekannte beginnt: 66 Jahre alt und kein bisschen weise. Dass ich mein Idee umsetze, überrascht mich wohl am meisten.

Der grimmige Nordländer wünscht uns noch Glück und wir geniessen den wunderschönen Tag.

Dimitri hat seine Skepsis noch nicht ganz überwunden. "Was soll denn das ganze Getue - ich will doch nur mit meinem Oberhund ein wenig rumrennen".

Hier hat auch Dimitris Schnuppernase eine helle Freude. Und das ist auch der Grund für den gelegentlichen Leinenzwang. Rentiere sind nämlich nicht sehr erfreut, wenn sie gejagt werden.


Die ersten paar Kilometer waren kein Problem. Nun muss man aber wissen, Mageroya, die Insel auf der das Nordkap liegt, ist recht gebirgig und es geht mal rauf mal runter. So kam es, wie es kommen musste bei einem alten Tourenfahrer ohne Training: das Gefährt steht öfters mal am Wegesrand und "wartet" bis der Alte wieder etwas Schnauf für die nächsten paar Kilometer hat.

Bei diesen Strassen ist das jedoch auch ein wenig verständlich, oder?


Auf diesen Bildern spürt man aber weder die Kälte noch den ständig in irgendeine Richtung blasenden Wind. Mal von Vorne, mal von Hinten und dann wieder ein Stoss von der Seite. Das alles bei herrlichem Sonnenschein aber 1-2 Grad Celsius mit Chillfaktor -5°C. Die Daunenjacke musste sein, da der "Windstopper" keinesfalls ausreichte. Dimitri und ich waren also mehr als glücklich, als der Campingplatz von Honningsvag wieder in Sicht kam und wir dann nach 28 km in rund vier Stunden die Beine hochlagern durften.

23. Mai 2015 - Die nächste grosse Herausforderung.


Die nächste Etappe startet mit einem letzen Blick zurück auf Honningsvag.

Mageroya ist ja - wie bereits gesagt - eine Insel. Es führt jedoch keine Fähre zu dieser Insel. Eine Brücke? Nein! Die Norweger gruben einfach einen Tunnel von 7km Länge und 212 Meter Tiefe unter dem Mageroyasundet durch.


Für Touristenbusse und Autos überhaupt kein Problem - aber echt Sch... für die Velofahrer. Drei Kilometer runter war ok, das ebene Stück auch, aber die über 200m wieder hochklettern (mit dem ganzen Gewicht) auf 3 Kilometer war eine Tortur und dauerte fast einer Stunde. Mit Krämpfen in beiden Beinen (inkl. fast alle Muskel in Ober- und Unterschenkeln) und verkrampftem Schultergürtel wankte ich aus dem Tunnel.

Zum Glück haben Astrid und Barbara vor dem besagten Tunnel gewartet, weil sie das dem Dimi nicht antun wollten. Ich war froh, dass wir entschieden hatten, dass nur ich das erste Teilstück durch den Tunnel fahren musste und Dimi im Camper mitreisen durfte.

Abschied von Mageroya und der Himmel verspricht nichts Gutes. Wir radelten also nun der Küstenstrasse entlang. Zuerst machte uns nur das leichte auf und ab der Strasse zu schaffen, aber ab dem späteren Nachmittag setzte der Regen ein. Nach 64 km und zwei Stunden Fahrt im Regen hatten wir genug! Und da es einen Wegweiser für einen Camping auf der Halbinsel Repvag gab, entschieden wir, dort Halt zu machen. Leider war der Campingplatz noch geschlossen. Aber es gab ja auch ein Hotel und wir wollten (konnten) nicht mehr weiter. Das Hotel war eine etwas umgebaute Fischfabrik, kalt (auch im Restaurant) und eigentlich sauteuer. Aber ein feines Stück Rentierfilet und einen guten Tropfen Roten wärmten mich wieder auf.

24. Mai 2015


Ein richtiger Sturm mit horizontalem Regen peitschte über Repvag und hielt uns zurück. Bei einer Windstärke von 25 bis 30 Knoten ist es auch unmöglich, mit dem Fahrrad zu fahren. Ich verbrachte den ganzen Tag im Restaurant (ausgenommen kurze Versäuberungspausen mit Dimitri) und ich erlebte, wie es überall bei den Fenstern und Türen reinregnete. Es wurden Kübel untergestellt und ich bemerkte mal zur russischen Gerantin, dass sie doch besser die halbvertrockneten Zimmerpflanzen drunter stellen soll. So verging der Tag mit Internetarbeit und rumsitzen. Diese Zwangspause tat uns beiden aber gut und wir konnten uns schön erholen - ganz ohne schlechtes Gewissen. Es ging übrigens auch kein einziges Fischerboot hinaus - alle blieben im Hafen vertäut.

25. Mai 2015 - Von Repvag nach Olderfjord.


Bei bewölktem Himmel und mässigem Wind stieg ich wieder aufs Rad und Dimitri trottet friedlich nebenher. Ausser, wenn eine Herde Rentiere ist in Sicht- oder Riechweite kam, war nichts mehr mit Trab; da lag ein kurzer Galopp liegt schon drin. Darum herrschte auch wieder ab und zu Leinenpflicht. Wir kamen gut voran und auch der ca. 3 km lange Tunnel vor Olderford war, ausser der kurze, aber heftigen Anstieg in den ersten zweihundert Metern, kein Problem.

26. Mai 2015 - Olderfjord nach Stabbursdalen.


Herrlicher Sonnenschein begleitete mich den ganzen Tag und der Porsangen zeigte sich von seiner schönsten Seite. Die Bilder sprechen für sich.


27. / 28. Mai 2015 - Stabbursdalen - Lakselv - Skogavarri - Karasjok.


Das Wetter über die beiden Tage war etwas von Allem und erst ganz am Schluss - vor Karasjok - gab es heftige Regenschauer. Angefangen hat alles wunderschön mit etwas Vogelbeobachten in den Valdakmarschen. Ich hatte Glück und konnte sogar zwei der seltenen Zwerggänse beobachten.

Im Hintergrund der schneebedeckte, ca. 650 Meter hohe Gebirgszug mit einem unaussprechlichen Namen. Der Sturm, den ich in  Repvag erlebte, brachte dieser Kette über 50cm Neuschnee.

 

 

 

 

Zwerggans (rechts, kein eigenes Bild, da sie viel zu weit entfernt waren) und Singschwäne in Skogavarri.

Nun nur noch über den Pass und schon sind wir in Karasjok.

Karasjok das Städtchen mit dem  norwegischen Samiparlament.


Wie im oben offenen Zelt der Sami, hat man  hier die Beleuchtung dem Sternenhimmel nachempfunden.

29. Mai 2015 - Von Karasjok zur Finnischen Grenze (und noch ein wenig weiter...)


Nur noch etwa 20 km und das Abenteuer Norwegen ist zu Ende. Wir haben genau 310 km gestrampelt und getrabt und überquerten am 29. Mai 2015, um 12:30 Uhr die Finnische Grenze.