Reiseberichte

Russland       02. - 11. Juli 2015

von    2 184 km  -  2 615 km         total 431 km

Am 02. Juli um ca. 16:30 Uhr waren wir nach langem Primborium am Zoll auf der russischen Seite angelangt. Langsam radelte ich durch die heruntergekommene Stadt Svetogorsk.

Halb verfallene Plattenbauten prägten das Bild, dazwischen kleine Läden in kleinen Häusern und da ich alles was angeschrieben war nur so  mehr oder weniger erraten konnte, landete ich in einem Einkaufsladen statt in einer Bank. Ich musste ja dringend irgendwo einen Bankomaten auftreiben um aneinige Rubel zu kommen. Endlich, mit vielem Durchfragen klappte es und ich musste auch langsam eine Uebernachtungsmöglichkeit suchen. Ich fuhr aber noch eine Weile weiter durch verschlafene Dörfer, fast unberührter Natur die doch noch sehr an die finnische Seite von Karelien erinnerte.


Da ich weder Hotel nocheinen  Camping fand, stellte ich mein Zelt in einer schönen Waldlichtung auf. Nach einer ruhigen Nacht, in der ich nur Waldschnepfen sah und hörte und erneut auf die Begegnung mit einem Bären verzichten musste fuhr ich weiter nach Viborg.


Diese Stadt wird leider auch nicht unterhalten, obwohl noch etwas alte Bausubstanzen vorhanden wäre. Dazwischen sieht man nahe beieinander die Wahrzeichen verschiedener Epochen dieser Stadt, Kirchturm und Hochkamin.


Übernachtet habe ich in Sovetsky im einzigen Hotel, welches im alten Stil nach kommuistischem Muster geführt wurde. Auf jeder Etage war ein kleines Zimmer, immer mit offener Türe, wo eine "Überwacherin" sass, die sichtlich gar nichts machte. Zum Glück reklamierte sie auch nie. Meine Weiterfahrt führte über schlechte Landstrassen mit wenig Verkehr entlang einer wunderschönen Ostseeküste, gesäumt von Föhrenwäldern.


Keine hässlichen Überbauungen waren zu sehen, habe ich mir doch vorgänglich vorgestellt, die Küste sei im Stil der Cote d Azzur überbaut. Hier ist aber alles "Allgemeingut" und der Russe darf zelten wo er möchte. Dazu ist noch zu erwähnen, dass an all diesen Plätzen praktisch kein Müll herumliegt. Wenn ich irgendwo einen Halt machte, kam man sofort in Kontakt mit einigen anwesenden Urlaubern und wurde auch zum Güggelischmaus eingeladen. So geschehen mit Vladimir und seinem Freund.


Vorbei an wunderschönen Holzkirchen mit ihren berühmten Zwiebeltürmen gings auf nun merklich besseren Strassen in Richtung Sankt Petersburg.


Geschlafen habe ich natürlich auch wild am Strand, um am anderen Tag die letzte Strecke in die wunderschöne Stadt am Finnischen Golf in Angriff zu nehmen. Als ich da ruhig dahin strampelte sprach mich ein Mann, mit einer  lustigen Mütze aus dem ersten Weltkrieg, an. Es war Anton Detch.


Dieser Anton sollte für mich noch von grosser Wichtigkeit sein. Am Ende der gemeinsam geradelten Strecke zeigte er mir noch ein gutes, nicht zu teures Restaurant und übergab mir seine Telefonnummer mit den Worten "falls ich in Sankt Petersburg irgend ein Problem haben sollte, dürfe ich ihn anrufen". Ich fuhr dann, nach einer herrlichen Fischmahlzeit, weiter um kurz vor dem Zentrum in einem Motel nach einem Zimmer zu fragen. Ja, war die Antwort - aber als ich Dimitri erwähnte kam ein schnelles "nijett". Auf dem Weg zum Zentrum habe ich in praktisch jedem, für mich erkennbaren Hotel, vorgesprochen und immer kam ein "nein, nicht mit Hund". Um 23:00 Uhr gab ich in der Lobby eines grossen Hotels (sovietischer Stil) auf und schrieb auf Whats App meiner Familie: "Scheisse, ich schlafe in einem Park". Meine Tochter Fiona schrieb bald zurück, sie hätte nicht weit von meinem Standort ein "petfriendly Hotel" gefunden. Ich buchte dort sofort eine Nacht - aber wie finde ich in der riesigen Stadt diese Adresse? Ich kenn ja diese verflixten Buchstaben nicht einmal! Ein Telefon an Anton: "Ja in einer halben Stunde bin ich bei Dir und dann fahren wir zusammen ins Hotel". Er hat mir dann noch geholfen, die Sachen abzuladen und dann fuhr er, nach Mitternacht, wieder nach Hause.  Alles um "Gotteslohn". Um ca. 01:00 Uhr bin ich dann todmüde ins Bett gefallen und freute mich auf den nächsten Tag.

Nachdem ich nun letzte Nacht noch glücklich eine Bleibe gefunden habe, begrüsste mich der neue Tag mit herrlichem Sonnenschein - wie wenn die vielen goldenen Kuppeln und Türme noch nicht genug glänzten. Ganz besonders sind mir natürlich auch die wunderschönen und adrett zurecht gemachten Russinnen aufgefallen. Stilvoll gekleidet und geschminkt, nie überbetont, machten immer einen sehr sauberen Eindruck.  Auf dem Weg zum Zentrum von Sankt Petersburg musste ich am zerfallenden Botanischen Garten vorbei. Die folgenden Gebäude aber wurden immer prächtiger und waren oft auch renoviert.


Dann die wirklich auffallende goldenen Türme der Peter und Paul Festung.


Anschliessend über die "Brücke der Trinity" auf die andere Seite der Newa. Da zeigt uns ein Blick auf die andere Seite die prunkvollen Beuten des Zaren und ein Blick abwärts bestätigt dass auch hier das 21. Jahrhundert eingezogen ist. Die riesigen Kreuzfahrtschiffe kommen bis fast in die Stadtmitte.


Es gibt einfach herrliche Blicke von dieser Brücke aus, inklusive der Blick zurück auf Peter und Paul.


Die gegenüberliegende Seite steht dem nördlichen Teil in nichts nach. Herrliche Gartenanlagen mit der interessanten  "Kirche des vergossenen Blutes", seinen Kanälen - die an Venedig  und Strassen - mit einer Atmosphäre - die ans Künstlerviertel von Paris erinnern.



Der imposante Platz vor dem Schloss mit einer Breitseite von einigen wenigen Metern, und  auf mit einem Blickkleinere und grössere Pärke, Stadtvierteln und dem "fliegenden Holländer" geht ein langer, aber interessanter Tag zu Ende.


Am Abend dann noch der Besuch in eben diesem Schiff zum gediegenen Nachtessen mit allen fünf Rotaryclubs von Sankt Petersburg mit ihrem Governor.

Am folgenden Tag dann radelnd die Fahrt aus der Stadt. Vorbei an allerlei anderen Verkehrsteilnehmern. Das Cobratram ist geradezu ultraleise und wie weit man mit diesem Reserverad wohl kommen mag? Auf dem Weg raus zum Peterhof säumen auch immer noch ettliche, für mich namenlose, Kirchen den Weg.


Im Peterhof erlaubte ich mir nur einen kleinen Blick, da - man beachte die schon aufgespannten Regenschirme - das Wetter nicht viel mehr erlaubte und ich noch aus der Stadt raus wollte.


Die nächsten drei Tage radelte ich vorbei an Blumenwiesen, zum Teil mit nicht ganz unproblematischen Kräutern (Riesenbärenklau) und langsam zerfallenden Strassendörfern bestehend aus typischen Holzhäusern.


Einzelnen Bauherren kann aber durchaus eine gewisse Individualität zugesprochen werden.

Dann die letzte, auffallende  Kirche in Kingisepp und die nicht mehr ganz neue Eisenbahn welche nur noch bis zur Estnischen Grenze fährt.


 Adieu Russland. Ich glaube, die russische Seele nur halbherzig erfasst zu haben. Sie blieb mir aus dem einen oder anderen Grunde verborgen. Wenn man die Sprache eines Landes nicht beherrscht, kann man es auch nie richtig erfassen. Anton Detch gab mir einen kleinen Einblick, liess mich am russischen Leben einen Augenblick teilhaben. Danke.