Reisebericht

Sudan       01. - 28. April 2017

 

 von       14`527 km   -   16`066 km        total  1539 km

 

 

Als noch auf der aegyptischen Seite plötzlich hinter einer kleinen Erhebung die Bordercontroll auftauchte musste ich mich zuerst in die ägyptische Seite „einkaufen“. Anschliessend durchleuchten des Gepäcks und Kontrolle (Untersuchung des Hundes aus 10m Entfernung) dann erst durfte ich den Ausreisestempel abholen um damit auszureisen und in die Sudanesische Abteilung reingelassen zu werden. Jetzt gings nur noch um den Hund und das dauerte (wie schon beschrieben). Aber schlussendlich hatten wir alles beisammen und man entliess uns in die Sudanesische Wüste. In Wadi Halfa traf ich wieder auf die drei Overlander und stellte mein Zelt kurzerhand zwischen die Autos und vor dem Hotel wo wir gegen einen Obolus duschen durften. Am nächsten Tag hatte mich dann die Wüste. Täglich gegen 100 km und 3-400 Höhenmeter. Schon schön anstrengend für einen alten Mann ;-). Es war eine schön gebirgige Gegend so ganz anders als die Sandwüsten in Aegypten. Es gab hier auch keine Fata Morgana mehr dafür lagen alle paar Kilometer 1-3 Kadaver meist Kühe mit unterschiedlichen Sterbedaten, am Strassenrand. Die ersten paar hundert Meter (bei Rückenwind) begleitete einem da ein süssliches „Gschmäckle“. Es sind dies Tiere die auf ihrer Fahrt vom Südsudan in die Schlachthöfe von Aegypten versterben und dann einfach über Bord geworfen werden. Erstaunlicherweise dauerte es Tage bis ich den ersten Schmutzgeier bei einer Kuh antraf – leider ein überfahrener Vogel. Zum Trost sah ich kurz darauf zwei lebende Exemplare dieser Art. Am zweiten Tag wurde die Gegend wieder etwas bewachsener. Man sah in den Wadis wieder einzelne Büsche und Bäume und plöztzlich sah man ein grünes Band am Horizont und davor nubische Dörfer. Das Niltal.



Auffallend sind die Moscheen mit ihren schlichten Minaretten und die grossen eingefriedeten Nubischen Gehöfte

mit ihren oft farbenfrohen Eingangstoren.


Um zum Nil zu gelangen muss man also in diese Dörfchen fahren. Hier kann man einkaufen und essen und dabei den Handwerkern auf dem Dorfplatz bei der Arbeit zusehen. Der Schmied hat hier seine Outdooresse und bearbeitet gerade einen Meissel. Der Schuhmacher in seiner zwei Quadratmeterwerkstatt hat für 1.80 Fr. auch meine Schuhe geflickt. Jetzt sind sie „Made in Sudan“ und nicht mehr das lausige „Made in China“. Nach dem Essen nahmen wir zum Abkühlen ein Bad im Nil – aber Achtung hier leben Krokodile. Also nur reingehen wenn auch die Einheimischen dies machen.


Bis zur Wüstenstadt Dongola radelte ich immer mehr oder weniger dem Nil entlang. In Dongola fuhr ich dann über die Nilbrücke auf die linke Seite des Flusses. Auch hier führte die Strasse eine Zeitlang dem Nil entlang bis diese nach Al Dabbah den Nil verliess und 340km durchs Niemandsland zog. Vor Al Dabbah hat man die Bewässerung stark ausgebaut und auch weiter entfernt vom Fluss baute man Gemüse und Futterpflanzen an. Hier sah man grosse Herden Kamele die dort einen Kurzaufenthalt haben um anschliessend für den Kamelmarkt in Aegypten auf Lastwagen verladen zu werden. Bevor ich weiter radelte, genoss ich noch ein paarmal die Morgen- und Abendstimmungen an der langen Flussoase.


 

Etwas über 300 km vor Khartoum beginnt die pure Wüste und es war eine richtige Herausforderung diesen Abschnitt mit dem Fahrrad zu bewältigen. Ich hatte auch noch das Pech, dass es in diesem Jahr zu einer ungewöhnlichen Hitzewelle schon im April kam. Temperaturen über 45 Grad gibts normalerweise erst im Mai/Juni. Physe und Psyche kamen dabei an ihre Grenzen und der Wasserverbrauch stieg auf mindestens 15 Liter täglich. Auch Dimitri hatte Mühe seine Körpertemperatur im Normalbereich zu halten. Wir lernten aber schnell uns den Begebenheiten anzupassen.

 

 

Wir fuhren früh am Morgen los um nach 10:00Uhr ein schattiges Plätzchen im Restaurant zu suchen. Dort verschliefen wir in der Regel den Tag und fuhren erst am späten Nachmittag wieder weiter. Restaurants gab es mehr oder weniger alle 50km. Hier konnten wir auch unsere Wasservorräte ergänzen und etwas Essen. Nach dem Nachtessen suchten die meisten Gäste einen Platz auf einer Liege oder auf dem Teppich und nach einem „Chai“ (Tee) schlief man dort bis zur Weiterfahrt friedlich ein. Der Kontakt zur Bevölkerung war sehr freundlich und ich wurde immer wieder zu Essen oder zu einem „Chai“ eingeladen. Tagsüber wurde ich auch immer aufgefordert auszuruhen um uns nicht zu sehr der Hitze auszusetzen.

 


"Kühlschrank" und Verarbeitungstisch, Wasserversorgung und Kochherd.



 

Etwa auf halbem Weg nach Khartoum gab es immer mehr Vegetation und fast unmerklich kam man in die Sahelzone. Hier gab es dann wieder weit verstreute Dörfer wo Landwirtschaft betrieben wurde. Das Kamel bildet nebst einigen Ziegen und Schafen die Lebensgrundlagen und trotzdem steht hie und da bereits ein Toyota vor der Haustür. Einige grössere „Felsbrocken“ mitten im Sand fielen mir ebenfalls auf und da sie alle schräg in eine Richtung standen schaute ich sie mal etwas näher an. Es waren die ersten Termitenhügel die die ostafrikanische Savanne bereichern.

 



 

Bald war ich also in Khartoum, der Hauptstadt des Sudans. Ich musste über 30 km durch die ganze Stadt radeln um zu meiner Unterkunft zu gelangen. Dies am Donnerstagabend, was in Mitteleuropa ungefähr dem Samstagabend entspricht und alles was gehen kann, auf den Beinen ist. Es herrschte ein unsägliches Chaos. Mit meinem Anhänger kam ich kaum vom Fleck und wurde immer wieder zwischen stinkenden Tuck-Tucks, Lastwagen und Bussen eingeklemmt. Endlich, es war schon stockdunkel, erreichte ich das German Guesthouse, meine Unterkunft für einige Tage.Ich habe mich da etwas ausgeruht und erholt und machte nebst Fahrradreparaturen auch einem Stadtrundgang. Khartoum liegt am Zusammenfluss vom Blauen und Weissen Nil. Vom daneben liegenden Korinthia Hotel hat man (trotz staubigen Scheiben) einen guten Ueberblick über den Fluss und die mitten im Blauen Nil liegende Insel Tuti. Ansonsten gibt es in dieser etwas schmutzigen Stadt keine weiteren Sehenswürdigkeiten mehr. Vor 50 Jahren war Khartoum eine der schönsten Städte Ostafrikas und hatte grosse Industrieanlagen (Eisenbahnbau) und stach andere Städte mit seiner Promenade und seinem Tram aus.

 



 

Das German Guesthouse ist eine kleine, saubere und liebevoll dekorierte Anlage. Hier wohnen Langzeitgäste wie der Löracher Günther, seines Zeichens Direktor einer grossen Helifirma die Flüge zu den Oelfeldern und auch Hilfsflüge für die UN ausführt. Dadurch trifft man im Hotel immer wieder auf UN Leute, Journalisten und andere illustere Personen die die Hilfe vom Lodgemanager Norbert und von Günther suchen. Günther ist sich auch nicht zu schade manchmal für einige Gäste ein typisch Süddeutsches Nachtessen zu kochen. Danke Günther! Die kleine Rasenfläche um den Pool wird durch einen ganz besonderen Rasenmäher gepflegt, einer riesigen Spornschildkröte die Norbert auf dem Markt gekauft und so vor de Kochtopf gerettet hat.

 


 

Nach einer Woche hatte ich genug und machte mich auf die lange Reise nach Aethiopien. Es hatte auf der einzigen Strasse in Richtung Grenze relativ viel Verkehr (Busse und Lastwagen) da es auch bis Al Quadarif die Hauptstrasse nach Port Sudan ist. Es war trotzdem schön zum fahren, da auf weite Strecken eine neue vierspurige Strasse gebaut wird und ich oft die noch nicht in Gebrauch genommenen Strecken benutzen konnte. Die Gegend wurde immer baumreicher und es werden grosse Anstrengunge gemacht mit verschiedene Akazien den weiteren Vormarsch der Wüste zu stoppen. Da es kurz vor der Regenzeit war, und es an einigen Orten schon geregnet hatte, wurde es auch etwas grüner. Die grossen Viehherden suchten unter den Bäumen Schutz vor der prallen Sonne und am Abend kamen aus allen Himmelsrichtungen die Tiere an die Tränke.

 


 

Nach Al Quadarif gab es nicht mehr viel Verkehr, dafür Steigungen und heftigen Gegenwind. Hier traf ich auch den Argentinier Favio der schon seit über 32 000 km in Afrika rumkurft und auf dem Rückweg nach Europa ist. Er erzählte mir von steinewerfenden Kindern und unfreundlichen Erwachsenen in Aethiopien. Er, und auch andere Radfahrer, seine entnervt geflüchtet aus Aethiopien. Das sind ja schöne Aussichten, dachte ich mir aber die schöne Gegend liess mich unbeirrt weiterradel. Die Siedlungen waren nun immer weiter von der Strasse entfernt und nahmen auch eine ganz andere Gestalt an. Die Lehmhäuser waren rund und strohbedeckt und auch die Bekleidung der Menschen wurde farbiger. Die ersten paar Baobabbäume bereicherten das Landschaftsbild und ganz allgemein wurde es grüner. Die Grenze war nicht mehr weit.

 


 

Nach 1539 km durch Sudan stand ich also an der Grenze zu Aethiopien. Die Grenze bestand aus zwei Siedlungen Galabat im Sudan und Metama in Aethiopien.

 


 

Das heisst es war die übliche Ansammlung von Häusern und Verkaufsbuden jeder Schattierung und dazwischen befand sich ein gespanntes Gummiseil welches die Grenze markierte. Zuerst musste ich vier verschiedene Büros im Sudan besuchen um dann den Einreisestempel für Aethiopien zu erhalten. Noch eine Durchsuchung meiner Siebensachen, grosses Bestaunen von Dimitri und ich war in Aethiopien. Gespannt wartend was da kommen möge – doch zuerst brauchte ich mal ein Bier.