Reiseberichte

Tschechien        12. - 19. September 2015

von   5 872 km  -  6 243 km           total   371 km

Ich war also am Abend an der Grenze und hatte nur noch ein Ziel, den Campingplatz kurz vor dem tschechischen Grenzort Nachod.

Ich richtete mich am Ufer des Flusses ein und genoss noch ein kurzes Nachtessen. Wir haben auf dem tschechischen Boden sehr gut geschlafen und während des Frühstückes lud ich, an einem etwas entfernteren Stromanschluss, mein Handy auf. Bald packten wir unsere Siebensachen und machten uns auf und davon. Ich genoss die Fahrt entlang dem Fluss, obwohl es oft etwas rauf und runter ging. Gegen Mittag wollte ich noch etwas einkaufen und da bemerkte ich, dass ich das Handy auf dem Zeltplatz vergessen hatte. Was mach ich jetzt? Da war doch eine Tankstelle und hier parkte ich meinen Hund samt Fahrrad und Anhänger. Ich nahm ein Taxi und war nach etwas mehr als einer halben Stunde wieder zurück, samt meinem Telefon. Also alles wieder in bester Ordnung. Auf der Weiterfahrt genoss ich die Landschaft zwischen der Grenze und der Stadt Hrade Kralove mit ihren weiten, leicht gewellten Feldern und schönen Städtchen, die wie Trutzburgen über dem Land lagen. Eines dieser Städtchen ist Nové Mesto nad Metuji.


Am späten Nachmittag war ich dann in Hrade Kralove, meinem Ziel, und ich nahm mir vor, nach einem wunderbaren Tartar auf dem Marktplatz, die Stadt noch zu durchqueren und einige Kilometer weiter etwas zum Schlafen zu suchen.


Ich pedalte da so locker durch die Strassen und wurde dann mal von einem Mann mit seinem Sohne  (ebenfalls auf dem Fahrrad) überholt. Fünf Minuten später kamen dann noch die Mutter mit ihrer Tochter und überholten mich ebenso. Bald darauf kam eine ewig geschlossene Bahnschranke und alle Radler standen davor. Man kam ins Gespräch und plötzlich wurde ich vom Vater eingeladen, doch bei ihnen zu übernachten. Das kam mir eigentlich sehr gelegen und ich kam so zu einem währschaften Nachtessen und einem reichhaltigen Frühstück. Dazu hatten wir ein angeregtes Gespräch und ich bekam einen kleinen Einblick in die Tschechische Lebensweise und Geschichte. Herzlichen Dank Martin Pacal und Familie.


Das nächste Ziel war die Hauptstadt der Tschechischen Republik, Prag. Ich fuhr nun, aus den hügeligen Ausläufern der Sudeten kommend, auf mehrheitlich flachem Gelände gegen das Tal der Elbe. Die Obstkulturen waren pflückreif und auf den abgeernteten Feldern weideten grössere Gruppen Rehe. Dieses Bild ist bei uns äusserst selten geworden, da die Zersiedelung der Landschaft diese Bilder bei uns kaum mehr zulässt.


Von weitem sah ich vor einer Staubwolke ein paar Pferde galoppieren und sah schnell, dass es sich um einen Zuchtbetrieb für Vollblüter handelt. Natürlich interessierte ich mich näher dafür und besuchte diesen Betrieb. Obwohl ich schon einige Monate pensioniert bin, zog mich meine berufliche Neugierde zu diesem Betrieb. Bei einer Tasse Kaffee vernahm ich, dass der Züchter auch mit Renntrainern (Miro und Renk) in der Schweiz und Frankreich zusammen arbeite. 


Aber bis ich die Elbe erreichte, musste ich noch an manchem kleineren und grösseren Dorf vorbei radeln und wenn die ewig andauernden Luftkämpfe der Kampfflugzeuge nicht so gestört hätten, wäre es eine tolle Sonntagsfahrt gewesen. Der „Kalte Krieg“ ist doch vorbei.




Die Elbe war dann für kurze Zeit meine Begleiterin und machte das Radfahren sehr einfach. Nur die immer wieder eingeschobenen Abschnitte aus unbefestigten Wegen waren etwas mühsam.


Kurz vor Prag stieg mein GPS aus, welches ich eigentlich nur in der Stadt für die feinere Navigation brauchte. Es wurde langsam dunkel und ich konnte mich nur schlecht ohne Karte orientieren. Also zuerst mal zum McDonald für ein Wi-Fi. Auf dem Handy konnte ich die Route zum abgemachten Campingplatz herausfinden, aber nach kurzer Zeit fiel der Akku aus. An der nächsten Tankstelle kaufte ich einen Stadtplan und mit dessen Hilfe und der freundlichen Tankwartin fand ich um ca. 23:00Uhr den Platz. Geschlossen. Die Türe wäre, dank einem Pärchen mit elektronischer Karte offen gewesen, aber da passte wieder einmal mein Gefährt nicht durch. Bis dann der Nachtwächter kam, um das grosse Tor zu öffnen verging halt nochmals einige Zeit. Todmüde fiel ich nach Mitternacht in einen tiefen Schlaf. Am anderen Tag bekam ich Besuch aus der Schweiz: Astrid, Annina und Emma. 


Nach dem Frühstück gingen wir uns die Stadt Prag ansehen. Bekanntlich eine wunderschöne Altstadt mit grosszügigen Plätzen und imposanten Gebäuden. 



Und später am Nachmittag noch ein paar Bilder von der Karlsbrücke, die sich elegant als mittelalterliche Bogenbrücke (14 Jh.) über die Moldau spannt.


Bald schon war ich wieder auf dem Weg und verliess Prag der Moldau entlang. Am Zoo vorbei und schon war ich aus der Stadt  und radelte einige Kilometer dem Fluss entlang. Aber schon bald musste man, um auf dem Fahrradweg zu bleiben, das Tal verlassen, um nach einigen Kilometern wieder an den Fluss zu kommen. Ein ständiges Rauf und Runter, was echt mühsam war. Die Dörfer und Gutshöfe auf den Hochebenen waren aber auch sehenswert und man fühlte sich wohl in einer solch ruhigen Landschaft ohne nennenswerten Verkehr. Da kurz vor der Stadt Melnik die Moldau in die Elbe fliesst, musst ich erstere noch einmal überqueren – diesmal in einer Fähre, die an einem Drahtseil hängt und nur mit der Kraft des Wassers über den Fluss getrieben wird.


Als ich in Melnik wieder die Elbe erreichte, hörte ich plötzlich einen schweizerdeutschen Dialekt. Es waren Touristen, die von der Stadt kommend wieder auf ihr Elbehotelboot wollten. Ein ganzes Schiff in Schweizerhänden – und laut war`s. Ich fuhr noch etwas weiter und fand dann eine nette Bleibe bei einem Restaurant am Fluss. Hier musste ich dann auch zuerst das Nationalgetränk der Tschechen probieren. Da war Hopfen und Malz noch nicht verloren. Beide Planzenarten machten in dem zuletzt durchradelten Teil wohl eine rechte Menge der Anbaufläche aus.


Am frühen Morgen nochmal einen Blick zurück nach Melnik und schon ging`s wieder weiter der Elbe entlang. Ruhig fliesst der Fluss dahin vorbei an Schlössern und Kirchen wie Bauklötzli und schon bald sah man die Bergkette, wo die Elbe noch durch muss, bevor sie auf deutschen Boden kommt. Dass die Elbe auch anders fliessen kann, sieht man am Turm, wo die verschiedenen Hochwasserstände markiert sind.



Wenn man so eine lange Strecke vor sich sieht, muss man mal wieder eine Siesta machen. Ich wählte dafür einen gemütlichen Platz bei einer weiteren Fähre – nur für Fahrradfahrer und Fussgänger.


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Im Städtchen Roudnice musste ich den Elberadweg wieder mal verlassen und ich verfuhr mich im Städtchen und „verlor“ über eine Stunde. Es ging dann aber flott weiter und ich erreichte am Abend den Ort Usti nad Labem.


Hier beginnt eigentlich das flussabwärts gelegene Gebirge und das Tal wird merklich enger und es hat gerade noch Platz für Strassen, Eisenbahn und langgezogene Orte.


Die Burgen stehen hoch über den Abhängen und die letzte Stadt an der Elbe auf tschechischem Gebiet, Decin, ist der Beginn der Klus an deren Ende die deutsche Grenze kommt. Es wird noch enger und der Fluss fliesst über Stromschnellen nach Deutschland.


Ich musste mich beeilen, da ich möglichst schneller sein wollte als ein gerade zur selben Zeit abgefahrenes Raftingboot. Und schon kam ich an die Tschechisch-Deutsche Grenze am 19. September um 11:00 Uhr nach 6'243 km.