Reisebericht

Ungarn      02. - 20. Juni 2016   und   21. - 23. Juni 2016

Von 8'695 km bis 9'375 km. total 680 km.  und    9'476 km bis 9'509 km     total 43 km.

 

Da stand ich also wieder mal vor der Grenze zu einem weiteren Land der Europäischen Union. Hier war aber mal was los. Einige Polizeiwagen standen herum und die Grenzpolizisten kontrollierten alle Fahrzeuge die aus Ungarn kamen, vor allem Liefer- und Lastwagen sowie Wohnmobile. Die Angst vor Migranten zeigte sich hier deutlich.

 

 

Wie schon das Schild dieses Land zeigt, sprechen Einwohner eine für uns ungewohnte Sprache und so ich konnte kaum ein Wort lesen und verstehen. Die Landschaft gleicht derjenigen des Burgenlandes und somit flach wie ein gespanntes Leintuch. Die Felder sind riesig und manchmal erscheint so ein riesiges Phaceliafeld wie ein See.

 

 

In Mosonmagyarovar, wo ich auf dem Zeltplatz beim Thermalbad übernachtete wurde ich von einem heftigen Gewitter überrascht. Dimitri durfte wieder einmal im Zelt übernachten welches zum Glück trocken blieb. Am nächsten Morgen dann eine Auslegeordnung zum Trocknen der Sachen. Während der Wartezeit durfte ich bei einer Frau aus Bern ein leckeres Frühstück geniessen.

 

 

Auf der Weiterfahrt entdeckte ich eine kleine Herde Pusztarinder. Eine sehr ursprüngliche, an Auerochsen erinnernde Rinderart. Wie die Worte der ungarischen Sprache sind bei dieser Rasse die Hörner: unheimlich lang.

 


 

Bald einmal war ich in der Stadt Györ und damit schon fast wieder an der Donau. Die Stadt hatte einen grossen Marktplatz und vor dem Rathaus war ein Symphonieorchester gerade am Einspielen für ein abendliches Konzert. Diese Atmosphäre erinnerte mich sehr an Oesterreich und es fiel mir gar nicht leicht weiter zu fahren.

 


 

Schon am nächsten Tag fuhr ich wieder der Donau entlang und besuchte, nach einer weiteren Uebernachtung, die Stadt Esztergomi mit der imposanten Burg und Basilika.


 

Nach einer kurzen Stadtbesichtigung wechselte ich, etwas weiter donauabwärts, mit der Fähre wieder auf die Nordseite des Flusses nach Szob. Schon nach der nächsten Flussbiegung erreichte ich die Orte Nagymaros/Visegrad. Diese beiden Orte sind praktisch das Eingangstor zur Landschaft Budapest.

 


 

Noch einige schöne Kilometer durch kleinräumiges landwirtschafliches Gebiet und ich war in Vac wo ich mit der Fähre erneut die Seite wechselte.

 

 

 

 

Hier, auf der Insel bei Szentendre liess ich mir mal etwas Zeit und genoss von einen Maulbeerbaum seine süssen Früchte. Da die Früchte violett waren, sahen meine Finger danach entsprechend aus und ich wäre demnach als Nascher leicht überführbar gewesen. Leider werden die vielen Maulbeeren hier kaum genutzt. Nach Szentendre hat es entlang der Donau einen Radweg durch herrliche Auenwälder und entlang stark frequentierten Uferpromenaden. Es dauert nicht lange und man erhascht die ersten Blicke auf Budapest und kaum ist man unter der Brücke zur Donauinsel durch, hat man einen freien, atemberaubenden Blick aufs Parlament.

 

 

 

 

Aber auch die rechte Donauseite, Buda, zeigte sich im besten Lichte.

 

 

 

 

Da Budapest gesegnet ist mit schönen und interessanten Gebäuden und wichtige Brücken möchte ich auch einfach 2 Fotoalben zeigen: eines vom Stadtteil Pest das andere von Buda. Fangen wir mit Pest an:

 




 

Die Brücken als wichtige Bindeglieder,

 

 

 


 

und noch ein wenig Atmosphäre aus Buda.

 



 

Wenn man so lange in einer Stadt ist, darf natürlich auch ein Nachtbummel nicht fehlen. Nach diesem Spaziergang, wurden wir von unserem Sohn noch zu einem feinen Nachtessen im In-Lokal „Monk`s Bistro“eingeladen.

 

 

Nachdem Matthias wieder abgeflogen war, machte auch ich mich wieder auf den Weg. Ich wollte auf den signalisierten Radweg und fuhr ich zur Brücke, wo ich einen Wegweiser gesehen hatte. Nach fünf Kilometern (Um)weg war ich wieder wenige hundert Meter vom Campingplatz entfernt. Ich hab mich dann entschlossen auf dem Camping zurück zu kehren um die Strassenkarte von Ungarn zu holen. Ich fuhr also zum zweiten mal los und radelte fröhlich auf dem angegebenen Radstreifen immer weiter bis ich endlich merkte, dass dieser Radweg zum Flughafen führt und nie mehr an die Donau zurück kehrt. „Sch.....“: war meine Reaktion aber ich hatte ja nun die Karte dabei und versuchte nun parallel zur Donau zufahren. Da ich ja auch als Ornithologe unterwegs bin, störte mich der Umweg wenig, da ich ungewollt und plötzlich im einem Nationalpark radelte. Diese Ebenen südlich von Budapest waren der Landschaft um den Neusiedlersee sehr ähnlich und auch die Vogelwelt war entsprechend interessant.

 

 

 

 

Für die Nacht suchte ich mir dann einen ruhigen Ort am Randes de Nationalparks. Da vor

 

wenigen Stunden ein starkes Gewitter niederging, war es echt schwer einen Platz zwischen der überschwemmter Strasse und dem mit Wasser vollen Seitengraben zu finden. Bis zu den Waden mit Schlamm verschmiert fand ich schliesslich noch ein brauchbares Plätzchen. Dies gehört halt auch zu den Freuden und Leiden eines Langstreckenradlers. Am folgenden Tag fuhr ich über eine riesige Autobahnbrücke (mit Radstreifen) auf die andere Donauseite und im 80 km entfernten Enying traf ich, nach einer gewaltigen Anstrengungen, wieder meine Frau Astrid. Von Enying aus, waren es nicht einmal 20 km bis an den Balaton.

 


 

Ueber Siofok radelte ich auf dem Balatonradweg an das am südwestlichen Ufer gelegene Dorf Balatobereny. Von hier hatte man einen schönen Blick auf die Vulkanberge des nördlichen Ufers. Der Tafelberg erinnert sogar etwas an Kapstadt meinem Ziel dieser Reise.

 


 

Nach einer zweitägigen Pause radelte ich durch verträumte Dörfer mit hübschen Häuschen in südlicher Richtung an den Grenzfluss Drau.

 


 

Die Durchfahrt durch eines der Dörfer war aber sehr unangenehm. Bettelnde, schmutzige Kinder, ungepflegtes Dorf mit viel herumliegendem Unrat. Ein Zigeunerdorf, so meine Vermutung und die wurde, wenige Dörfer später, durch einen Restaurantbesitzer bestätigt. Sie, so meinte er, würden höchstens mit dem Auto da durchfahren und dann möglichst schnell – niemals mit dem Fahrrad! Ich habe ja kaum Vorurteile, aber es beschleichen mich schon komische Gefühle in so einem Dorf und da sind die Romas nicht ganz unschuldig daran. Aber vielleicht hat das ja alles eine Ursache und ist einfach eine „falsche“ Art sich zu wehren und bemerkbar zu machen. Am nächsten Tag war ich dann an der Drau und erlebte hier an der Grenze zu Kroatien wieder einen ganz anderen EU-Grenzübergang. Das Stichwort heisst „Schengen“. Grenzzaun mit Stacheldraht und peinlicher Kontrolle. Für alle die Schweizer die die Schengengesetze abschaffen wollen, sei diese Grenze zur Ansicht empfohlen. 10 Autos in 30 Minuten: man stelle sich dies in Chiasso vor: Autoschlangen bis zum Gotthardtunnel in Airolo. Als ich hier in Kroatien war, dachte ich Ungarn liege nun hinter mir. Aber es gab in diesem Teil Kroatiens keine Campingplätze und deshalb fuhren wir dann nach Harkan, einer Stadt mit Thermalbadgeschichte. Astrid fuhr somit vier Mal über diese Grenze und wurde jedes mal genauestens überprüft (WoMo durchsucht). Da ich während den letzten beiden Tagen je über 80 km gefahren bin, mussten wir noch einen Ruhe- und Waschtag einschalten bis es dann wieder zurück nach Kroatien ging. Ich fuhr danach auf einem neuen Radweg auf der ungarischen Seite der Drau entlang. Nach ungefähr 20 Kilometern kam einfach das Ende, im Niemandsland. Nirgends gab es darauf einen Hinwein und ich denke, dass hier schon einige Radfahrer gestrandet sind. Ueber einen Feldweg quälte ich mich durch die Hitze und gelangte nach ungefähr 15 Kilometer wieder auf die Hauptstrasse welche nach Kroatien führte. Vorher aber noch eine Mittagsrast neben einem abgeblühten Mohnfeld, dies ist aber Ungarn und nicht Afghanistan.